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03.09.2026 Kategorie: Musik in schwierigen Zeiten

Musik in schwierigen Zeiten - 971

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde der Kirchenmusik,

 

unsere heutige Oper ist oft als "zweiter Rosenkavalier" bezeichnet worden: "Arabella" von Richard Strauss.

Eine langjährige Zusammenarbeit verband die beiden Künstler Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal. Auch für das letzte gemeinsame Projekt standen sie im permanenten Austausch. Allerdings äußerte der Librettist wiederholt seine Bedenken gegenüber Strauss' musikalischer Verarbeitung. Sie sollte eine Art Neuauflage des „Rosenkavalier“ werden und damit an die erste gemeinsam erarbeitete Oper von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal anknüpfen. Doch die „Arabella“ wurde zwei Jahrzehnte später zum Abgesang - der Schriftsteller starb 1929, fünf Tage, nachdem er letzte Korrekturen am Libretto vorgenommen hatte. Als die Uraufführung am 1. Juli 1933 in Dresden stattfand, war Hitler bereits an der Macht - und der Komponist fügte sich der Vereinnahmung durch die NS-Diktatur.


Beiden Opern gemeinsam ist ein opulent geschildertes Wien als prägender Ort der Handlung. Und beide blicken zurück: der „Rosenkavalier“ auf den Absolutismus Maria Theresias, die „Arabella“ auf die Gründerzeit unter Kaiser Franz Joseph I. Doch während sich die erste Oper kurz vor dem Ersten Weltkrieg in eine intakte, lediglich von Possen und Intrigen bewegte Gesellschaft hineinträumte, schildert das zweite Werk eine Epoche, die harte Unterscheidungen zwischen Gewinnern und Verlierern trifft.


Arabellas adelige Familie hat im Jahr 1860 abgewirtschaftet, nur die Heirat mit einem reichen Mann - der in Gestalt von Mandryka erscheinen wird - kann einen Ausweg bieten. Unterdessen wird Arabellas Schwester Zdenka gezwungen, sich als Junge zu verkleiden, weil das Geld fehlt, sie als Frau standesgemäß in die Gesellschaft einzuführen.

Man mag diese Konstellation, die auch Strauss zunächst fremd war, als etwas bemüht und vielleicht sogar als belanglos empfinden. Doch gelang es Hofmannsthal - zwischen den Zeilen und mit dem Schicksal der eigenen Familie vor Augen - eine Gesellschaft voller Doppelmoral, Geldgier und überkommener Ehrbegriffe darzustellen, die von zwei ungleichen Schwestern aufgemischt wird. Und Richard Strauss komponierte dafür eine subtile, eher dem Parlando als der Walzerseligkeit zuneigende Musik.

Auch wenn die „Arabella“ nie die Beliebtheit des wirkungsvolleren „Rosenkavalier“ erreichte, hat sie als regelmäßig gespieltes Werk eine ganz eigene Aufführungstradition begründet. Lisa della Casa, deren silbernen Mozart-Sopran Richard Strauss noch höchstselbst bewunderte, wurde in den 1950er Jahren zur führenden und bis heute verehrten Interpretin der Titelpartie: Lisa della Casa und „Arabella“, das ist fast so wie Maria Callas und „Tosca“. An ihrer Seite brillierten George London und Dietrich Fischer-Dieskau als Mandryka, später wurde die Arabella von herausragenden Sopranistinnen wie Julia Varady, Gundula Janowitz, Kiri Te Kanawa und Renée Fleming verkörpert. Und dann gibt es da noch das Orchester, das in der für Richard Strauss typischen raffinierten Weise behandelt wird - auch wenn oft besondere Zurückhaltung angesagt ist, damit die Stimmen nicht zugedeckt werden.


Zwei Aufführungen stelle ich Ihnen heute zur Auswahl, zunächst ein Mitschnitt aus dem Jahr 2007 im Opernhaus Zürich in der Inszenierung von Götz Friedrich. In den Hauptpartien sind zu sehen: Renée Fleming (Arabella), Julia Kleiter (Zdenka), Morten Frank Larsen (Mandryka) und Johan Weigel (Matteo). Es musizieren Chor und Orchester des Opernhauses Zürich unter der Leitung von Franz Welser-Möst:

 

www.youtube.com/watch

 

Zum Vergleich noch ein Mitschnitt aus Salzburg aus dem Jahr 2014 in der Inszenierung von Florentine Klepper. In den Hauptpartien sind zu sehen: Renée Fleming (Arabella), Hanna-Elisabeth Müller (Zdenka), Thomas Hampson (Mandryka) und Daniel Behle (Matteo). Es musizieren der Sächsische Staatsopernchor Dresden und die Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Christian Thielemann:

 

www.youtube.com/watch

 

Ihnen allen ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

 

Matthias Wengler

 

 

Handlung

 

1. Aufzug
Die Familie der Grafen Waldner steht finanziell am Rande des Ruins: Der Vater Theodor verhökert das letzte Geld beim Kartenspiel, die Mutter Adelaide versetzt den Familienschmuck für die Prophezeiungen einer Kartenaufschlägerin. Die Schuldner im Nacken sind sie bereits in ein Hotel gezogen. Die jüngere Tochter Zdenka kann in der Öffentlichkeit nur mehr in Jungenkleidung als Zdenko auftreten, da nicht genug Geld vorhanden ist, um zwei Töchter standesgemäß auszuführen. Die einzige Chance in dieser Misere liegt in der wunderschönen Arabella, die möglichst reich verheiratet werden soll. Verehrer gibt es genug, die Grafen Elemer, Dominik und Lamoral etwa, die um die Gunst Arabellas wetteifern. Außerdem rechnet sich der Offizier Matteo Chancen aus, da er von Arabella einen Brief erhalten hat. Was er nicht durchschauen kann ist, dass diesen Zdenka verfasst hat, die in Matteo verliebt ist, als Zdenko aber nur die Rolle des besten Freundes und Unterstützer Matteos als Eheanwärter Arabellas spielen kann. Arabella weiß, dass sie sich bald für einen der Bewerber entscheiden muss, möglichst noch am Abend des anstehenden Fiaker-Balls, obwohl sie die Hoffnung nicht aufgeben will, dass da noch ein Besserer auftaucht, bei dem sie nicht mehr zweifeln werde. Erst am Morgen ist sie einem Herrn begegnet, der vom Äußeren einen imposanten Eindruck bei ihr hinterlassen hat. Dieser Unbekannte entpuppt sich als der steinreiche Herr von Mandryka, gleichnamiger Neffe eines ehemaligen slawonischen Regimentskameraden des Grafen Waldner, den er – auf dessen Vermögen spekulierend – als potentiellen Schwiegersohn angeschrieben und ein Bild seiner Tochter geschickt hat, ohne zu wissen dass dieser bereits verstorben ist. Mandryka aber hat sich sofort in das Bild verliebt und die Familie Waldner ausfindig gemacht. Graf Waldner ist begeistert und verspricht Mandryka ohne zu zögern die Hand seiner Tochter. Am Abend auf dem Ball will er sie ihm vorstellen.


2. Aufzug

Auf dem Fiaker-Ball treffen Arabella und Mandryka erstmals aufeinander. Gegenseitig tief beeindruckt, verloben sie sich kurzerhand. Arabella will sich noch von den drei Grafen verabschieden, die sie durch die Fiaker-Milli zur Ballkönigin krönen. Matteo hingegen setzt seinen Freund Zdenko unter Druck, der ihm daraufhin den Schlüssel zu Arabellas Zimmer gibt und ein Tête-a-Tête mit seiner Schwester ankündigt. Mandryka, der das mitbekommt, glaubt sich von Arabella betrogen. Geschockt von so viel Unverfrorenheit wird Mandryka übergriffig gegenüber der Fiaker-Milli. Die Eltern Waldner bauen aber darauf, das Missverständnis so schnell wie möglich aufklären zu können.  

 

3. Aufzug
Zdenka hat unterdessen unerkannt die Nacht mit Matteo verbracht. Daher kann er auch nicht verstehen, warum sich Arabella, mit der er doch gerade intim auf dem Zimmer gewesen ist, im Treppenhaus des Hotels so abweisend zeigt. Mandryka sieht wiederum Arabellas Schuld durch Matteos Reaktionen als bewiesen und will die Verbindung lösen. Da Arabella ihre Unschuld beteuert, fordert Graf Waldner Satisfaktion. Erst als Zdenka sich als Frau zu erkennen gibt, klärt sich das Missverständnis, woraufhin Mandryka zur Ehrenrettung die Verlobung Zdenkas mit dem völlig überforderten Matteo herbeiführt. Für das Ehepaar Waldner ist damit alles in bester Ordnung, der Skandal abgewendet. Beschämt von seinen heftigen Anklagen gegenüber Arabella glaubt Mandryka, alle Ansprüche verloren zu haben. Doch Arabella, nachdem sie sich kurz zurückgezogen hat, willigt zu seiner Überraschung dennoch in die Ehe ein. 

Beitrag von sd