Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
die heutige Ausgabe umfasst gleich sechs Stücke - und jedes von ihnen lässt das Organistenherz höher schlagen: Die sechs Triosonaten BWV 525 - 530 von Johann Sebastian Bach. Bis heute zählen sie zu den schwierigsten Orgelwerken des Leipziger Thomaskantors - und nicht zuletzt zählt eine der sechs Sonaten noch immer als Pflicht-Prüfungsstück im Kirchenmusikstudium.
Die Bachschen Triosonaten, einst als Lehrstücke für den ältesten Sohn Wilhelm Friedemann entstanden, zeigen Johann Sebastian Bach auf dem Zenit seiner Kompositionskunst: Drei selbständige Stimmen stehen in einem hinreißenden Dialog, wobei sich kantable Melodieführungen mit einem kunstvollen und zugleich natürlich klingenden Kontrapunkt vereinen - dies alles eingebettet in eine experimentierfreudige Formgestaltung und ausgewogene Proportionen.
Johann Sebastian Bach komponierte die sechs Triosonaten für Orgel überwiegend während seiner Zeit in Leipzig, um 1730. Es wird angenommen, dass die Komposition oder zumindest die Zusammenstellung der Werke in diesem Zeitraum stattfand. Einige Teile könnten jedoch auf frühere Entwürfe zurückgehen, die Bach möglicherweise bereits in Weimar oder Köthen als Kammermusikstücke (mit zwei Soloinstrumenten und Basso continuo) konzipierte und später für die Solo-Orgel adaptierte. Das Ziel dieser Sonaten war es offenbar, das kammermusikalische Prinzip (drei gleichberechtigte Stimmen - zwei in den Manualen, eine im Pedal) auf die Orgel zu übertragen, was hohe spieltechnische Anforderungen an den Organisten stellt.
Erst vor wenigen Wochen hat der Leipziger Thomaskantor Johannes Lang die musikalische Großtat vollbracht, Bachs gesamtes Orgelwerk in 22 Stunden nonstop zu spielen - eine absolute Meisterleistung. Dagegen mutet der heutige Mitschnitt fast läppisch an - aber seien Sie versichert, dass auch hier ein absoluter Könner am Werk ist: Der Organist Jan Liebermann spielte am 5. Februar 2024 in der Mainzer Hochschule für Musik Bachs sechs Triosonaten an einem Abend auswendig - 18 Jahre jung war er damals, und seitdem ist bereits viel geschehen. Erst vor wenigen Tagen musizierte er an der Orgel der Berliner Philharmonie gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Andris Nelsons und mit dem Solo-Flötisten der Berliner Philharmoniker, Emmanuel Pahud, im Rahmen eines Late-Night-Konzerts.
Hier der Konzertmitschnitt mit Jan Liebermann mit folgendem Programm, die Moderation übernimmt Prof. Gerhard Gnann:
Sonate Nr. 1 Es-Dur BWV 525
Sonate Nr. 2 c-Moll BWV 526
Sonate Nr. 3 d-Moll BWV 527
Sonate Nr. 4 e-Moll BWV 528
Sonate Nr. 5 C-Dur BWV 529
Sonate Nr. 6 G-Dur BWV 530
www.youtube.com/watch t=575s
Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler
