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13.08.2026 Kategorie: Musik in schwierigen Zeiten

Musik in schwierigen Zeiten - 962

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

im Rahmen des diesjährigen Opernsommers folgt heute ein Werk, das zu den eher unbekannten Werken des ansonsten höchst erfolgreichen Opernkomponisten zählt: "Luisa Miller" von Giuseppe Verdi.

Die Dramen Friedrich Schillers boten Verdi einen Raum, die Konflikte zwischen privaten Leidenschaften und gesellschaftlichen Machtkämpfen musikalisch auszuleuchten. Für "Luisa Miller" nahm er sich bereits zum dritten Mal einen Text Schillers vor, diesmal das bürgerliche Trauerspiel "Kabale und Liebe". 1849 für das Teatro San Carlo im zensurstrengen Neapel komponiert, war Verdi gezwungen, den politisch brisanten Stoff um Machtmissbrauch zu entschärfen.  Am 8. Dezember 1849 wurde "Luisa Miller" am Teatro San Carlo in Neapel uraufgeführt - nur anderthalb Jahre vor dem Welterfolg "Rigoletto" und gut drei Jahre vor "Il Trovatore" und "La Traviata", jenen drei Opern seiner mittleren Schaffensperiode, die als „trilogia popolare“ den internationalen Ruhm des italienischen Opernkomponisten begründeten. 

Schillers Trauerspiel handelt von der tragischen Liebe des Adligen Ferdinand (in der Oper: Rodolfo) zur Musikertochter Luise Miller, die aufgrund einer furchtbaren höfischen Intrige zerbricht, was schließlich beide in den Tod treibt. Für die Einrichtung als Oper arbeitete Verdi eng mit seinem Librettisten Salvadore Cammarano zusammen; beide waren von Schillers tableauhafter Dramaturgie fasziniert, die ihrem eigenen Anliegen einer „epischen Dramatik“ entgegenkam. Die Tragödie wurde in drei Akte zusammengefasst, die mit den Titeln „Amore“ (Liebe), „Intrigo“ (Kabale) und „Veleno“ (Gift) überschrieben sind. Die Uraufführung war erfolgreich, das Werk setzte sich bald durch; heute ist es jedoch nicht allzu oft auf den internationalen Opernspielplänen zu finden.

Gegenüber dem Schauspiel "Kabale und Liebe", das Verdi - zeitlebens ein großer Bewunderer Friedrich Schillers - selbst als Stoff vorschlug, vernachlässigt die Oper die Dimension der politischen Anklage, des Appells gegen die absolutistische Willkürherrschaft. "Luisa Miller" konzentriert sich auf das Familiäre, auf das bürgerliche Trauerspiel. Der soziale Gegensatz zwischen den beiden Vätern bleibt natürlich entscheidend: Die unerbittliche Härte des mächtigeren zerstört das Glück der Kinder, denen - wie so oft in der romantischen Oper - nur der Trost der Erfüllung im Jenseits bleibt. Die Welt des Privaten, die sich Verdi mit "Luisa Miller" eroberte, bot ihm die Möglichkeit, an die Intimität von "I due Foscari" (1844) anzuknüpfen und psychologische Vorgänge tiefer gehend und mit mehr Zwischentönen als bisher zu vermitteln.
Unser heutiger Mitschnitt entstand 1979 im Londoner Royal Opera House Covent Garden, inszeniert von Filippe Sanjust. Die Hauptpartien sind besetzt mit Katia Ricciarelli (Luisa Miller), Renato Bruson (Miller), Placido Domingo (Rodolfo), Gwynne Howell (Graf Walther) und Richard van Allan (Wurm), es musizieren Chor und Orchester des Royal Opera House Covent Garden unter der Leitung von Lorin Maazel:

www.youtube.com/watch

Ihnen allen ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler

Beitrag von sd