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14.10.2026 Kategorie: Musik in schwierigen Zeiten

Musik in schwierigen Zeiten - 993

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

ein Werk aus der Chorliteratur erwartet Sie in der heutigen Ausgabe: Quatre Motets sur des thèmes grégoriens op. 10 von Maurice Duruflé.

Mit etwas mehr als zwei Dutzend Kompositionen liest sich die Werkliste von Maurice Duruflé verblüffend kurz. Zwei mögliche Erklärungen hierfür kommen in Betracht: Zum einen stellte Duruflé, ähnlich seinem Lehrer Paul Dukas, sehr hohe Ansprüche an sein eigenes Schaffen und hatte Skrupel, einigen für seine Begriffe bereits vollendeten Gattungen - etwa dem Streichquartett oder dem Solo-Lied - etwas hinzuzufügen. Die Folge waren lange Entstehungsprozesse und zahlreiche Überarbeitungen seiner Werke. Zum anderen war Duruflé als Kompositionslehrer am Pariser Konservatorium sowie weltweit als Konzertorganist tätig, was nicht nur zeitliche und geistige Beanspruchung bedeutete, sondern wiederum eine erhöhte Qualitätskontrolle bewirkte. Im Gegensatz zu seinem Studienkollegen und Freund Olivier Messiaen, der zeitlebens mit neuartigen Klängen experimentierte, suchte Duruflé seine individuelle Tonsprache aus dem Vorhandenen zu gewinnen, um zu einer von Zeitströmungen unabhängigen, auf Spiritualität bedachten musikalischen Aussage zu gelangen. 

Seine Beschäftigung mit der Gregorianik begann durch die Mitwirkung im Chor der Kathedrale in Rouen; Unterricht und Assistenz bei Charles Tournemire in Paris ab 1919 haben die kreative Übertragung gregorianischer Themen auf die Orgel gefördert. Sowohl als Zitat als auch in vielen Varianten der Bearbeitung - Harmonisierung, Rhythmisierung, Adaption usw. - fand der gregorianische Choral Eingang in Duruflés Kompositionen. Sein Hauptwerk wurde das Requiem op. 9, das in dieser Reihe bereits vorgestellt wurde.

In seinen Quatre motets von 1960 zeigt Duruflé sein besonderes Talent, das spirituelle Element des Gregorianischen Gesangs in einem polyphonen Kontext anzuführen, während er eine Geschmeidigkeit des Rhythmus erreicht, die dem menschlichen Gebet ähnlich ist. "Ubi caritas et amor" fließt frei und silbenhaft in einem meditativen Stil, während "Tota pulchra es" leichter und munterer, und dennoch sanft ist. "Tu es Petrus" ist ein mitreißendes und optimistisches Werk, die Gründung der Kirche auf dem Stein von Petrus wird zum Ausdruck gebracht durch den Aufbau der Motette auf ihrer kanonischen Einleitung bis zu ihrer starken und soliden Finalkadenz. "Tantum ergo" bringt uns zurück zu dem meditativen, melancholischen Stil, der einen Großteil des Requiem charakterisiert: Das abschließende Amen legt sich wie ein Seufzer auf diese Gruppe von Motetten, die die Essenz der wohlüberlegten und doch inspirierten musikalischen Sprache Duruflés herauskristallisieren.

Maurice Duruflés Quatre motets sur des thèmes grégoriens führte der WDR Rundfunkchor unter der Leitung von Peter Dijkstra im Rahmen des Konzertes "Kunst der Motette" am 5. April 2019 in der Trinitatiskirche in Köln auf: 

www.youtube.com/watch

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Urlaubsgrüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler

Beitrag von sd