Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
ein Violinkonzert, das nur selten in Konzertprogrammen auftaucht, erwartet Sie in der heutigen Ausgabe: Das Violinkonzert op. 28 von Karl Goldmark.
Wenn man auf das Leben des Komponisten Karl Goldmark (1830 – 1915) schaut, muss man staunen. Beharrlich hat sich der Sohn eines kinderreichen jüdischen Kantors aus ärmlichsten Verhältnissen hochgearbeitet zu einem der angesehensten Komponisten seiner Zeit. Jahrelang saß Goldmark als Geiger im Orchestergraben des Wiener Carl-Theaters, bevor er es mit 27 Jahren endlich wagte, mit eigenen Kompositionen an die Öffentlichkeit zu treten. Vor allem als Komponist für die Bühne machte er Karriere. Goldmarks 1875 uraufgeführte "Königin von Saba" wurde eine der meistgespielten Opern des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Goldmark war auch Mitglied in jenem Quartett, das viel mit Brahms zusammenarbeitete. So lernte er den Komponisten kennen, mit dem er etliche Reisen unternahm - auch wenn diese Freundschaft Höhen und Tiefen durchschritt. Vielleicht auch, weil Goldmark sich zum Superstar seiner Zeit entwickelte. Er wurde am Ende seines Lebens höher als Mahler und Schönberg geschätzt! Dabei war Karl Goldmark schon beinahe 50 Jahre alt, als er den Durchbruch als Komponist erlebte. Er schrieb für die Opernbühne und dann 1877 auch sein Violinkonzert, hochvirtuos - als Geiger wusste er, was das Instrument so hergab. Bemerkenswert: Während Brahms sich in seinem Violinkonzert an Beethovens schon längst überholten Violinkonzert-Aufbau orientierte, warf Goldmark einen Blick auf das Werk von Bach, indem er eine Orchester-Fuge integrierte.
Hier ein Konzertmitschnitt mit Renaud Capuçon und dem Orchestre philharmonique de Radio France unter der Leitung von Pablo Heras-Casado, der Mitschnitt entstand am 19. November 2022 im Pariser Auditorium de la Maison de la Radio et de la Musique:
Ihnen allen ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler
