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15.04.2026 Kategorie: Musik in schwierigen Zeiten

Musik in schwierigen Zeiten - 916

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

heute erwartet Sie eine der sogenannten "Pariser" Sinfonien von Joseph Haydn: Die Sinfonie Nr. 86 D-Dur.

Sie entstand 1786. Da Haydns Musik in Frankreich immer beliebter wurde, erhielt er einen Kompositionsauftrag vom Comte d’Ogny, einem jungen Aristokraten aus einer Familie, die für ihre umfangreiche private Musikbibliothek und ihr musikalisches Mäzenatentum in Paris bekannt war. Haydn wurde gebeten, sechs Sinfonien zu schreiben, wofür ihm ein beträchtliches Honorar sowie eine zusätzliche Gebühr für die Veröffentlichungsrechte angeboten wurde. Die Auftragswerke sollten vom „Concert de la Loge olympique“ aufgeführt werden, einer Freimaurer-Organisation, die ihre Konzerte in einem großen Saal vor einem Publikum veranstaltete, zu dem viele Adlige gehörten, darunter oft auch Marie Antoinette und Ludwig XVI. 

Das gut finanzierte Orchester des „Concert de la Loge olympique“ war weitaus größer als das, was Haydn üblicherweise in Österreich zur Verfügung stand. Zu dieser Zeit umfasste sein Ensemble in Esterháza insgesamt etwa 24 Musiker, während das Orchester in Paris regelmäßig 40 Violinen und 10 Kontrabässe zählte. Diese Sinfonie wurde zusammen mit ihren fünf Begleitsinfonien in der Saison 1787 vom Orchester uraufgeführt und später auch in der beliebten Konzertreihe „Concert Spirituel“ aufgeführt. Die Uraufführungen waren ein enormer Erfolg für Haydn, und die Sinfonien wurden im folgenden Jahr veröffentlicht.

Die Sinfonie Nr. 86 ist in vielerlei Hinsicht die großartigste der sechs "Pariser" Sinfonien. Sie ist eine von nur zwei in diesem Zyklus, die Trompeten und Pauken enthält, und ihre Musik besitzt all die Tiefe und den Humor, die wir in Haydns besten Werken finden. Der erste Satz beginnt mit einer langsamen Einleitung und gleitet dann subtil in ein brillantes Allegro über. Die faszinierenden Themen dieses Allegros beginnen mit ungewöhnlich vieldeutigen Harmonien, bevor sie sich in ihren jeweiligen Tonarten einfinden.

Der wunderschöne langsame Satz ist mit "Capriccio" überschrieben, was bei Haydn auf eine gewisse formale Freiheit des Stücks hindeutet. Das schlichte, langsame Arpeggio, mit dem der Satz beginnt, kehrt jedoch immer wieder und verleiht dem Werk so klare Form und Richtung. Der Menuett-Satz ist umfangreicher als viele Menuette jener Zeit, und sein reizvoller Mittelteil, das Trio, mündet in eine Art Walzer, wobei Fagott und erste Violinen eine charmante Melodie in Oktaven spielen. Das Werk schließt mit einem Finale, das ebenso temperamentvoll wie verspielt und humorvoll ist.

Hier ein Konzertmitschnitt mit der Camerata Salzburg unter der Leitung von Sir Roger Norrington, aufgezeichnet am 16. August 2000 im Salzburger Mozarteum:

www.youtube.com/watch

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler

Beitrag von sd