Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
heute erwartet Sie ein Werk von Camille Saint-Saëns - seine berühmte Danse macabre op. 40 zählt zu seinen vier sinfonischen Dichtungen, in denen er sich entschieden in die Tradition von Hector Berlioz und Franz Liszt stellt.
In den 1870er Jahren ging es Camille Saint-Saëns im Umfeld der gerade gegründeten „Société nationale de musique“ darum, in der Instrumentalmusik Anschluss an die großen deutschen romantischen Orchesterwerke zu finden und für Frankreich ein genuines Repertoire zu entwickeln. Mit der Wahl der Gattung positionierte sich der Komponist zugleich musikpolitisch, nämlich auf der Seite der Neudeutschen, der „Zukunftsmusiker“, gegen reaktionäre Haltungen - und schürte damit, wie die frühen Presseberichte dokumentieren, in Paris damals gerade antideutsche Ressentiments.
Die Danse macabre, heute wohl das bekannteste musikalische Totentanz-Stück überhaupt, hat ihren Ursprung in einem gleichnamigen Lied, das Saint-Saëns im August 1872 auf ein Gedicht mit dem Titel „Égalité - Fraternité“ von Henri Cazalis komponiert hatte. Nach dem Erfolg seiner beiden früheren sinfonischen Dichtungen komponierte Saint-Saëns 1874 diese dritte als Erweiterung des Liedes. Der Partitur stellt er einen Ausschnitt aus dem Gedicht voran:
Zig et zig et zag, la mort en cadence
Frappant une tombe avec son talon,
La mort à minuit joue un air de danse,
Zig et zig et zag, sur son violon.
Édouard Colonne dirigierte, von der Presse wenig enthusiastisch aufgenommen, die erste Aufführung am 24. Januar 1875 im Concert du Châtelet sowie die Wiederholung am 7. Februar. Als Pasdeloup das Werk am 24. Oktober 1875 dirigierte, reagierte das Publikum gar mit Pfiffen und Buhs; vielleicht dachte das Publikum schlicht, dass die verstimmte Geige falsch spielte? Die E-Saite der Solovioline nämlich, die die teuflische Seite der Musik verkörpert, ist auf Es heruntergestimmt und bildet so mit der leeren A-Saite das „diabolische” Intervall des Tritonus; an keiner Stelle geht der Solopart höher als bis zum zweigestrichenen Es, so dass die Saite nur leer angespielt wird. Besonders ist auch der erstmalige Einsatz eines Xylophons im Orchester, das zu der ganz spezifischen Klangfarbe beiträgt.
Drei verschiedene Fassungen stelle ich Ihnen heute in dieser Ausgabe vor, zunächst die Fassung für Orchester mit dem Orchestre symphonique de Montréal unter der Leitung von Kent Nagano, aufgezeichnet am 29. Oktober 2015 im Maison symphonique de Montréal:
Das selbe Stück in der Orgelfassung, hier in einem Mitschnitt mit Olivier Latry an der Rieger-Orgel in der Pariser Philharmonie am 9. Februar 2016 - es war zugleich das Einweihungskonzert des Instruments:
Zum Schluss noch eine Fassung für Klavier mit Alexandre Kantorow in einer Bearbeitung von Franz Liszt und Vladimir Horowitz:
Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler
