Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
Kammermusik von Ludwig van Beethoven erwartet Sie heute: Die Violinsonate Nr. 7 c-Moll op. 30 Nr. 2.
Die drei Violinsonaten op. 30 entstanden in der ersten Hälfte des Jahres 1802. Beruflich und gesellschaftlich stand Beethoven in diesem Jahr außerordentlich gut da. 1801 hatte ihm Fürst Karl von Lichnowsky eine jährliche Pension von 600 Gulden ausgesetzt. Auch künstlerisch hat er Erfolg, wie er seinem Freund Wegeler in Bonn am 29.6.1801 berichtet: "Meine Komposizionen tragen mir viel ein, und ich kann sagen, daß ich mehr Bestellungen habe, als es fast möglich ist, daß ich machen kann. auch habe ich auf jede Sache 6, 7 Verleger und noch mehr, wenn ich mir's angelegen sein lassen will, man accordirt nicht mehr mit mir, ich fodere und man zahlt, du siehst, daß es eine hübsche Lage ist."
Beruflichem Erfolg und Anerkennung steht jedoch das große Drama seines Lebens gegenüber, die verhängnisvolle Katastrophe zeichnet sich seit Sommer 1801 bereits deutlich ab: Beethoven verliert sein Gehör. Ganz verzweifelt ist Beethoven jedoch noch nicht. Er arbeitet außerordentlich produktiv und komponiert keineswegs Trauermusiken, sondern Werke voller Lebensfreude und Zuversicht. Neben den drei Violinsonaten op. 30 komponiert Beethoven im Verlauf des folgenden Jahres u. a. die drei Klaviersonaten op. 31, die großen Klaviervariationen op. 34 und 35 und die zweite Sinfonie op. 36.
Die Werkgruppe der drei Sonaten op. 30 ist dem jungen Zaren Alexander I. gewidmet. In der Beethoven-Forschung wird diese Zueignung an den Zaren gerne als öffentliche politische Stellungnahme Beethovens gesehen, die zeigt, dass der Schüler Haydns und Salieris von Studenten zum selbstbewussten Komponisten mutiert war. Es ist der Beginn seiner so bezeichneten “zweiten” Schaffensphase, der “heroischen Phase”. Beethoven selbst schrieb 1802 von einem "neuen Stil", den er nun erreicht habe.
Überaus deutlich ist dieser “neue Stil” in der zweiten Sonate vor allem in den Moll-Außensätzen zu hören, deren pathetischer Ton sinfonisch anmutet und in der sich Virtuosität und musikalischer Anspruch verbinden. Zwischen den beiden Dur-Sonaten op. 30 Nr. 1 und 3 mit den üblichen drei Sätzen bildet die viersätzig angelegte c-moll-Sonate den Mittel- und eigentlichen Höhepunkt des Zyklus.
Unsere heutigen Interpreten sind Renaud Capuçon und Kit Armstrong, der Mitschnitt entstand 2020 im Rahmen des 71. Festival de Musique de Menton in Frankreich:
Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Urlaubsgrüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler
