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05.06.2026 Kategorie: Musik in schwierigen Zeiten

Musik in schwierigen Zeiten - 938

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

vor rund zwölf Jahren machte eine Neuvertonung eines Barock-Klassikers durch den britischen Komponisten Max Richter Schlagzeilen und war von Beginn an sehr erfolgreich. Heute dreht sich alles um "Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten - Recomposed by Max Richter".

Max Richter holte zusammen mit dem Geiger Daniel Hope eines der beliebtesten Werke der klassischen Musik in die Gegenwart. Das Meisterwerk erstrahlt so in einem ganz anderen, frischen Gewand. Und zugleich mit höchstem Respekt vor dem Original. Ein Klang, der eine völlig neue Generation von Hörern genauso begeistert wie jene Klassik-Fans, die das Original lieben und beinahe schon auswendig kennen. Richters Werk ist sozusagen ein komponierter Remix.

Aber warum nur wählte Max Richter Vivaldi? Und warum dann ausgerechnet seine bekannteste Komposition "Die vier Jahreszeiten" aus dem Jahre 1725? Max Richter hat die Antwort sofort parat: „Die vier Jahreszeiten“ gehören zu den ersten Stücken klassischer, genauer: spätbarocker Musik, die ich in meinem Leben hörte. Das Werk ist ein omnipräsentes Klangobjekt und wie kein anderes Teil unserer musikalischen Landschaft und meines täglichen Lebens. Ich höre es regelmäßig im Supermarkt und werde mit ihm ständig in Telefon-Warteschleifen oder in der Werbung konfrontiert." 

Tatsächlich gibt es wohl kaum ein Musikstück der letzten 300 Jahre, das einen höheren Bekanntheitsgrad hat. Was Richter nun mit seiner "Recomposed"-Bearbeitung geschaffen hat, kann man getrost als "Vier Jahreszeiten 3.0" bezeichnen. Richter holt das Werk in die Gegenwart und ermöglicht einer neuen Hörerschaft einen völlig neuen Zugang - mit gleichzeitigem Respekt vor dem Original und seiner Interpretationsgeschichte, so dass auch der erfahrene Klassik-Hörer seine Freude mit "Vivaldi Recomposed" haben wird. Max Richter: "Vivaldis Komposition offenbarte sich mir als sehr einladend, sie stellt relativ direkt und unverblümt eine Verbindung zu meiner eigenen musikalischen Sprache her. Sie besteht aus Mustern, sogenannten Patterns, ich erkannte in ihr Grundlagen, derer sich später im 20. Jahrhundert auch die "Minimal Music" bediente. Und auch für mich, als 'Post-Classical'-Komponisten, um den unsäglichen Terminus "Neoklassik" zu vermeiden und sich dennoch einer Genre-Schublade zu bedienen, bietet das Original unzählige Inspirationsquellen."

Richter gehört spätestens seit seinem Filmscore für Ari Folmans vielfach prämierten Animations-Dokumentarfilm "Waltz with Bashir" zu den international gefragtesten Filmkomponisten. Neben seiner filmkompositorischen Tätigkeit entwickelt Richter gemeinsam mit bildenden Künstlern Werke für Tanztheater und Installationen, veröffentlicht regelmäßig Alben und bestreitet konzertante Aufführungen mit Orchestern und Ensembles weltweit. Seinen einprägsamen Kompositionsstil entwickelte Richter während der Ausbildung in klassischer Komposition und Klavier an der University of Edinburgh, der Royal Academy of Music in London und dem Tempo Reale in Florenz, wo er bei Luciano Berio Unterricht nahm. Nicht weniger bedeutsam ist für ihn die Musik seiner Jugend, die von Electronica, Clubmusik und Punk bis hin zu Psychedelic reicht. Über seine Arbeit für "Vivaldi Recomposed" sagt Max Richter: “Die größte Herausforderung bestand darin, eine konsistente und kraftvolle Neubearbeitung zu erschaffen, einen experimentellen Hybrid, der zu jedem Zeitpunkt funktioniert und Sinn ergibt, der immer "Vivaldi", aber auch zugleich immer "Richter" und heutig ist und den ursprünglichen Geist dieses großen Werks wahrt.”

Der heutige Konzertmitschnitt beinhaltet neben "Vivaldi Recomposed" noch weitere Werke von Max Richter: INFRA, Autumn Music 2 und On the Nature of Daylight.
Der Mitschnitt entstand am 20. Dezember 2012 im Poisson Rouge in New York; es musizieren Daniel Hope, Max Richter und das Ensemble LPR unter der Leitung von Tito Muñoz:

www.youtube.com/watch

Ihnen allen ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler
 

 

Beitrag von sd