Suche

Musik in schwierigen Zeiten Ansicht

09.06.2026 Kategorie: Musik in schwierigen Zeiten

Musik in schwierigen Zeiten - 939

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

Klaviermusik von Robert Schumann erwartet Sie in der heutigen Ausgabe: Faschingsschwank aus Wien op. 26.

Wie viele Musiker des 19. Jahrhunderts wollte sich auch Robert Schumann in der Musikmetropole Wien niederlassen. Wenn sich diese Pläne auch zerschlugen, so entstanden während seines Wien-Aufenthalts im Jahre 1839 doch eine ganze Reihe wertvoller Klavierwerke, darunter auch der berühmte „Faschingsschwank aus Wien“. Schumann selbst nannte dieses Opus ein „romantisches Schaustück“. Die zeitgenössische Musikkritik nahm es ausgesprochen positiv auf: „An allen Enden humoristisches Wetterleuchten; von allen Seiten fahren die Raketen des Witzes und lustigen Uebermuths in die Höhe“.

Die fünf Fantasiebilder stellen nicht nur den Abschluss seiner Zeit in Wien dar, sondern sind zugleich auch der Abschluss seiner frühen Klavierwerke. Schumann greift hier die Bilder eines Maskenballs auf, wobei er den Hörer:innen und Interpret:innen alle Freiheiten lässt, indem er die einzelnen Sätze ohne Titel lässt. Die Fünfsätzigkeit des Werks suggeriert die Sonate als Form; Schumann jedoch hat sich in dem Untertitel der „Fantasiebilder“ bewusst gegen diese formale Einordnung verwahrt. Und so spielt er auch mit den sonst üblichen Vorgaben: Der Kopfsatz ist als Rondo angelegt, der Finalsatz folgt der Sonatenhauptsatzform, Romanze und Scherzino haben zwar die sonst auch üblichen Plätze in der Reihenfolge, allerdings drücken sie noch am meisten den karnevalesken Charakter des Werkes aus und bilden damit einen Kontrast zum aufgewühlten Intermezzo. 

Voller Ironie beginnt das Werk: Hier hat Schumann den von den Davidsbündlern gern verwendeten „Großvater-Tanz“ eingebaut, mit dem diese die „Philistermusik“ verspotteten. Dies steigert er noch, indem er in diesen Tanz hinein die Marseillaise zitiert, die zur damaligen Zeit in Wien verboten war. Ein ironischer Gruß also an die Stadt, in der er sich gezwungenermaßen beweisen musste und in der er sich durch die Zensur unfrei fühlte. Einen sentimentalen Höhepunkt seines Schaffens stellt die kurze Romanze dar, auf die das farbenfrohe Scherzino folgt. In Intermezzo und Finale steigert sich das Werk noch einmal, und somit findet der angedeutete Maskenball ein fulminantes Finale.  

Die erste öffentliche Aufführung fand erst 1860, also nach Schumanns Tod, statt: Seine Frau Clara stellte den „Faschingsschwank“ dem Wiener Publikum vor und machte nicht zuletzt damit Schumanns Musik an der Donau heimisch. Bis heute gehört das brillante Werk zu Recht zum Standard-Klavierrepertoire.

Hier ein Konzertmitschnitt mit Murray Perahia, Aufnahmedatum und -ort sind leider nicht bekannt:

www.youtube.com/watch

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler

Beitrag von sd