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16.01.2026 Kategorie: Musik in schwierigen Zeiten

Musik in schwierigen Zeiten - 879

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

in der heutigen Ausgabe erwartet Sie Kammermusik aus Tschechien: Das Streichquintett Nr. 2 G-Dur op. 77 von Antonin Dvořák.

Antonin Dvořák hat drei Streichquintette geschrieben, die alle drei an charakteristischen Punkten seiner Karriere stehen: das a-Moll-Quintett von 1861 war sein Opus 1, das G-Dur-Quintett von 1875 das erste mit einem Kompositionspreis ausgezeichnete Stück, das Es-Dur-Quintett von 1893 eines der amerikanischen Spätwerke im Umkreis seiner populären neunten Sinfonie "Aus der Neuen Welt".

Nur für das G-Dur-Werk wählte er die Besetzung mit Streichquartett und Kontrabaß, die zwar seltener ist als die Quintettbesetzungen mit zwei Celli bzw. zwei Bratschen, die aber dennoch seit dem späten 18. Jahrhundert zu den geläufigen Varianten des Streichquintetts zählte. Dem jungen Dvořák ging es offenbar darum, ein Streichquartett mit zusätzlichem Bassfundament zu schreiben, eine Art solistischer Streichersinfonie, als die man sein G-Dur-Quintett auffassen kann. Er komponierte es zur gleichen Zeit wie die fünfte Sinfonie und die Serenade für Streichorchester; außerdem bearbeitete er den fünften Satz des Werkes, der vor der Drucklegung gestrichen wurde, für Streichorchester (Notturno H-Dur op. 40).

In der erst 1888 als Opus 77 gedruckten viersätzigen Fassung stellt sich das Werk als ganz traditionelles Kammermusikstück aus Sonaten-Allegro, Scherzo, Adagio und Rondo-Finale dar. Doch schon der erste Satz sprengt den kammermusikalischen Rahmen in orchestraler Weise. Er ist fast vollständig aus dem Motiv der Einleitung entwickelt, das im Stil einer sinfonischen Dichtung leitmotivisch verwendet wird. Nicht zufällig erinnern die Harmonik und der “Orchester”-Satz häufig an Wagner und Liszt, von deren Einfluss sich Dvořák 1875 noch nicht gelöst hatte. Andererseits werden erstes und zweites Thema in betont einfacher Weise vorgestellt, “im Volkston”, den Dvořák in diesem Werk besonders betont hat.

Unser heutiger Konzertmitschnitt entstand im Rahmen des Solsberg Festivals am 24. Juni 2017 in der Klosterkirche Olsberg, es musizieren Baiba Skride, Andrés Gabetta, Veronika Hagen, Sol Gabetta und Roberto Di Ronza:

www.youtube.com/watch

Ihnen allen ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler

Beitrag von sd