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06.05.2026 Kategorie: Musik in schwierigen Zeiten

Musik in schwierigen Zeiten - 926

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

Klaviermusik von Johannes Brahms erwartet Sie in der heutigen Ausgabe: Die Rhapsodien op. 79 Nr. 1 und 2.

Rund zehn Jahre bevor Johannes Brahms seine späten, melancholischen Klavierstücke komponierte, entstanden 1879 die beiden Rhapsodien op. 79 - zwei ausgesprochen leidenschaftliche und vergleichsweise umfangreiche Werke. Brahms spricht der rekonvaleszenten Clara Schumann gegenüber mit gewohntem Understatement von zwei Stücken, „an denen Du Dich recht austoben kannst und auch erproben, ob denn die Kur auch genützt hat“. 

Beide Rhapsodien kommen großformatig daher, und Brahms orientiert sich in ihnen an der Sonatenhauptsatzform. Sie sind der Leipziger Freundin Elisabeth von Herzogenberg gewidmet. Die Widmungsträgerin zeigte sich begeistert und schrieb nach Wien: „Ja, über viele Maßen schön finde ich diese Stücke, und immer mehr, wie besser ich ihre schönen Biegungen und Wendungen erkenne und ihr wunderbares Ebben und Fluten, das mich an beiden und an dem g-Moll Stück so absonderlich gerührt… dass das g-Moll mein Liebling ist, macht mich aber nicht unempfindlich gegen die kraftvoll stachelige Schönheit des h-Moll mit dem sehr süßen Trio.“ Soweit Elisabeth von Herzogenberg. Im Vorfeld wandte sich Brahms an sie: „Ich möchte nämlich die beiden Ihnen bekannten Klavierstücke herausgeben. Wissen Sie einen besseren Titel als: zwei Rhapsodien für das Pianoforte? Eine bessere Widmung wissen Sie nicht, aber erlauben Sie, dass ich auf den Schmarrn Ihren lieben und verehrten Namen setze?“ 

Auf das impulsive Eingangsthema der ersten Rhapsodie h-Moll folgt eine zarte Melodie im Pianissimo, die schon bald von der energischen Rückkehr des Anfangsthemas beiseite geschoben wird. Die neue Melodie, die nun kurz aufleuchtet, bildet die Grundlage für den tröstlichen Mittelteil in Dur. Sie kehrt noch einmal in der linken Hand in der Coda wieder, die sich der Reprise des ersten Abschnitts anschließt.

Hier ein Konzertmitschnitt vom 16. Dezember 2017 aus dem Studio 106 des Maison de la radio in Paris mit Alexandre Kantorow:

www.youtube.com/watch

Bei der zweiten Rhapsodie g-Moll handelt es sich um einen Sonatensatz samt Wiederholung der Exposition. Der letzte Abschnitt der Exposition wird von einer konstant pendelnden kleinen Sekunde in einer Mittelstimme begleitet, und dieselbe unveränderliche Pendelbewegung prägt die gesamte zweite Hälfte der Durchführung. Sie kehrt zudem in den letzten Momenten des Stücks wieder, wo sie dann allmählich langsamer wird und verebbt, bevor eine heißblütige Schlusskadenz für ein abruptes Ende sorgt.

Der zweite Mitschnitt stammt aus der Schweiz und entstand am 10. August 2022 in Rougement im Rahmen des Gstaad Menuhin Festivals mit Dejan Lazić:

www.youtube.com/watch

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler

Beitrag von sd