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15.04.2026 Kategorie: Musik in schwierigen Zeiten

Musik in schwierigen Zeiten - 917

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

aus organisatorischen Gründen erreicht Sie die heutige Ausgabe einen Tag früher als gewohnt - Kammermusik aus Polen für Violine und Klavier steht auf dem Programm: Mythen op. 30 von  Karol Szymanowski.

Karol Szymanowski (1882–1932) gilt als einer der wichtigsten polnischen Komponisten nach Chopin. Er erhielt seine prägende musikalische Ausbildung in Warschau, wo er auch lange Jahre lebte und die Direktionspositionen zunächst am Konservatorium, dann an der Musikakademie innehatte. Sein kompositorisches Œuvre ist stilistisch vielfältig: Szymanowski orientierte sich zunächst an Chopin und Skrjabin, studierte dann Richard Strauss, Igor Strawinsky und fand schließlich zu einem Stil, in dem sich impressionistische und expressionistische, teils atonale Momente verbanden.  

Die drei Sätze der Mythen op. 30 (1915) waren ein Ergebnis der Zusammenarbeit des Komponisten mit Pawel Kochanski, dessen Ehefrau Szymanowski sie widmete. In einem Brief an sie aus dem Jahre 1930 erklärte er, dass er und Kochanski „eine neue Ausdrucksart für die Violine“ hervorgebracht hätten. Christopher Palmer hat dies so interpretiert, dass die große Spannweite von Spieltechniken und Timbres, die in den Mythen erforderlich sind, nie wegen der Virtuosität an sich eingesetzt wird, sondern auf eine ganzheitliche Art und Weise das verdeutlicht, was der Komponist ausdrücken wollte. Szymanowski, so erklärt er, „trennt das Element der Selbstwahrnehmung von der Virtuosität“. Natürlich ist die Virtuosität ebenso kultiviert wie die Musik selbst, insofern, als dass die Violine und Klavier nahtlos miteinander interagieren und von den Ausführenden eine intuitive Subtilität und eine geradezu telepathische Beziehung zueinander verlangen.

Es sind ausdrucksstarke Miniaturen voller Klangraffinesse und impressionistischem Zauber, zudem - dank ihres virtuosen Zugriffs - ideale wirkungsvolle Vortragsstücke. Mit Motiven aus der griechischen Mythologie als Hintergrund - im ersten Stück die Verwandlung der Nymphe Arethusa in einen Brunnen - lässt Szymanowski den Violin- und Klavierklang meisterhaft ineinander greifen, phasenweise gar verschmelzen. Die virtuos-raffinierten, aber stets punktgenau und musikalisch schlüssig eingesetzten Spielweisen der Violine (darunter Doppeltriller, Glissandi und Vierteltöne) lassen deutlich seine Zusammenarbeit mit dem Geiger Pawel Kochanski erkennen, für den auch Szymanowskis zwei Violinkonzerte entstanden.

Unser heutiger Konzertmitschnitt entstand 2011 im Rahmen des Internationalen Kammermusik-Festivals Utrecht mit Janine Jansen und Itamar Golan:

www.youtube.com/watch

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler

Beitrag von sd