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24.09.2026 Kategorie: Musik in schwierigen Zeiten

Musik in schwierigen Zeiten - 983

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

eines der großen Werke der Kammermusik für Bläser steht heute im Mittelpunkt: Die Serenade B-Dur KV 361 "Gran Partita" von Wolfgang Amadeus Mozart.

Vielleicht haben Sie genau wie ich diese Musik durch einen Film kennengelernt - hier beschreibt ein berühmter Kollege Mozarts das Werk: "Die Partitur sah nach nichts aus. Der Anfang so simpel. Fast lächerlich. Nur ein Pulsieren, Fagotte, Bassetthörner – wie eine rostige Quetschkommode. Doch da plötzlich, hoch darüber, eine einsame Oboe, ein einzelner Ton, unerschütterlich über allem, bis eine Klarinette ihn aufnimmt, in einer Phrase von solch himmlischer Süße! Das war keine Komposition eines Zirkusaffen! So eine Musik hatte ich noch nie vernommen. Voll tiefster Sehnsucht; einer so unstillbaren Sehnsucht, dass ich erbebte und es mir schien als hörte ich die Stimme Gottes." - So äußert sich Antonio Salieri, Mozarts angeblicher Feind und Konkurrent, im Film "Amadeus". 

Töne wie zärtliche Wissenschaft, feinsinniges Gedankenspiel. Man solle nicht glauben, dass in einem so kleinem Kopf so etwas Großes steckt, hatte Mozart einmal über sich selbst gesagt. Als ob er das Rätsel, das er aufgab, erklären wolle. Das ganze Wunder in wenigen Tönen in einer großen kleinen Melodie auf den Punkt gebracht - im Adagio der Serenade KV 361, angekündigt als eine "große blasende Musik von ganz besonderer Art".

Wann das Werk komponiert wurde, ist unbekannt. Vielleicht war es ein Hochzeitsgeschenk für Constanze im August 1782. Aufgeführt wurde es dann bei einer Akademie im Wiener Burgtheater. Das ursprüngliche Serenaden-Schema war auf sieben Sätze erweitert, der Titel lautete "Gran Partita". Eine Serenade bedeutete gemeinhin vor allem höfische Unterhaltungsmusik, heiter, vergnüglich, temperamentvoll. Doch Mozart wäre nicht Mozart, wenn er nicht in diesem eng abgesteckten Rahmen in denkbar größter Freiheit experimentieren würde - und dies ausgerechnet in den Menuetten. 

In den Trios zwischen den Menuetten, dem Lieblingstanz Ludwigs XIV. und seitdem aller Aristokraten in Europa, erklingen Ländler. Gassenhauer, wie sie die einfachen Wiener zum Vergnügen aufspielten. Als ob Mozart mit leichtem Spott der versammelten höheren Gesellschaft im Burgtheater auf der Nase herumtanzen wollte. In der B-Dur-Serenade vernehmen wir das letzte Leuchtfeuer einer höfischen Musik, die Kommendes ahnen lässt. Die himmlischen Längen, die verschwenderische Melodienfülle eines Franz Schubert. Auch wenn Mozart eine Serenade schrieb, komponierte er nicht zur Belustigung eines in Etikette und Zeremoniell selbstverliebt um sich selbst kreisenden Hofstaats. Sondern für die neu gegründete "kaiserliche Harmonie", die Kaiser Joseph II. anno 1782 gegründet hatte. Acht Virtuosen, begabt mit Spielwitz und der Kunst des Cantabile.

Und Mozarts "Gran Partita" ist das bedeutendste Werk, das für diese Besetzung von acht Bläsern, ergänzt um vier weitere Stimmen und einen obligaten Kontrabass, jemals geschrieben wurde. Eine Musik, die den Geist einer höfischen Ouvertüre atmet, einer ernsthaften Sinfonie, einer vergnügten Oper und tiefsinnigen Kammermusik. Klingt nach der Quadratur des Kreises. Oder ganz einfach nach Mozart.

Zwei Konzertmitschnitte stelle ich auch heute wieder zur Auswahl - zunächst mit Solisten des NDR Elbphilharmonie Orchesters und Bläsern des NDR Jugendsinfonieorchesters unter der Leitung von Gaspare Buonomano. Der Mitschnitt entstand am 14. März 2019 in der Hamburger Elbphilharmonie:

www.youtube.com/watch

Und hier noch ein Mitschnitt mit Mitgliedern des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters unter der Leitung von Sebastian Weigle vom März 2021, die Einführung übernimmt Deborah Einspieler:

www.youtube.com/live/YkIW2bnvLc0

Ihnen allen einen schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler

Beitrag von sd