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05.01.2026 Kategorie: Musik in schwierigen Zeiten

Musik in schwierigen Zeiten - 873

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

willkommen im Neuen Jahr 2026! Die erste Ausgabe knüpft an die Silvester-Folge an: Die Sonne soll auch 2026 wieder für uns alle scheinen, daher steht heute die Sunrise Mass von Ola Gjeilo im Mittelpunkt.

Ola Gjeilo, 1978 in Norwegen geboren, gehört einer Komponisten-Generation an, die sich der stilistischen Vielfalt zu Beginn des 21. Jahrhunderts weit geöffnet hat. In seiner Messe vereint er schlichte Melodik, mit Dissonanzen angereicherten Harmonien und minimalistischen Begleitmustern im Orchester zu einem harmonischen Zusammenklang, der nichts mit der experimentierfreudigen Avantgarde zu tun hat. Gjeilo selbst zu seiner Musikanschauung: „Ein großer Teil der Kunst hat das Publikum eine Zeitlang vertrieben. Ich glaube, was die Menschen von Natur aus unwillkürlich empfinden wollen, ist Transzendenz, Lösung und das Gefühl von Erlösung, Freude und Frieden, welches das Auflösen von Zwietracht bringen kann.“ 

Die Sunrise Mass war 2007 eine Auftragsarbeit für eine Gemeinschaftsproduktion norwegischer Chöre (Majorstua Kammerkor und Kammerkoret Nova). Die Uraufführung fand am 2. November 2008 in Oslo mit einem 24-köpfigen Streichorchester unter Tore Erik Mohn statt. Als Mohn mit diesem Auftrag an Ola Gjeilo herantrat, hatte dieser bereits den starken Wunsch, eine Messe zu komponieren. Im Fall der Sunrise Mass war von der ersten Konzeption an das ihm zur Verfügung stehende Material die größte Quelle seiner Inspiration. Einer seiner bevorzugten Klänge ist die Verbindung von Chor und Orchester, er nennt ihn den ultimativen Klang. Damit war die Inspiration zur Sunrise Mass gegeben. 

Gjeilo bezeichnet sich als einen sinfonischen Komponisten, insofern er auf einen großen Orchesterklang abzielt, wie klein das ausführende Ensemble auch sein mag. Für die Chormusik bedeutet dies auch, dass die Musik letzten Endes wichtiger ist als der Text. Aber er geht von einem spirituellen Ansatzpunkt ans Komponieren und möchte universelle und humanistische Erfahrungen in der Musik gleichermaßen ausdrücken. Der Text zu den einzelnen Sätzen stammt aus der Messordnung: 

Kyrie - The Spheres (Die Sphären) 
Gloria - Sunrise (Sonnenaufgang) 
Credo - The City (Die Stadt) 
Sanctus & Agnus Dei - Identity & The Ground (Identität & Der Grund) 

Der heute in den USA lebende Komponist bezeichnet die Sunrise Mass als „spirituelle Reise“. Die vier Sätze der Messe symbolisieren auf einzigartige Weise die Suche nach Bedeutung in einer sich ständig verändernden Welt. Mit diesem Aufbau legt der Komponist eine Struktur außerhalb des Textes offen: eine metaphysische Reise vom Himmel zur Erde sowie eine akustische Reise vom Anfang bis zum Ende. Von der sanften Nachdenklichkeit bis hin zur triumphalen Feierlichkeit bewegt die Sunrise Mass mit ihrer klanglichen Vielfalt und emotionalen Tiefe. 

Hier kommt der Mitschnitt der Sunrise Mass mit dem Bel Canto Choir Vilnius, dem Sofia Vokalensemble und dem Lithuanian Chamber Orchestra unter der Leitung von Egidijus Kaveckas:

www.youtube.com/watch

Ihnen allen ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler

Beitrag von sd