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08.12.2025 Kategorie: Musik in schwierigen Zeiten

Musik in schwierigen Zeiten - 860

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

Klaviermusik steht zu Beginn der neuen Kalenderwoche auf dem Programm - und damit auch gleich ein offizielles Erstwerk von Johannes Brahms: Die Klaviersonate Nr. 1 C-Dur op. 1.

Johannes Brahms’ Klaviersonaten gehören zu den ersten Werken, die der 20-jährige Komponist veröffentlichte. Sie entstanden 1852/53, wobei der langsame Satz dieser Sonate auf das Lied „Verstohlen geht der Mond auf“ mit April 1852 das früheste Kompositionsdatum trägt. Brahms stellte sich mit dieser leidenschaftlichen und hochvirtuosen Sonate häufig bei den Größen des damaligen Musiklebens vor, so auch beim Ehepaar Schumann in Düsseldorf. Clara Schumann schrieb danach über das Werk: „… alles voll überschwänglicher Phantasie, Innigkeit der Empfindung und meisterhaft in der Form.“ 

Die C-Dur-Sonate ist das Werk, das der junge Johannes Brahms bewusst als sein Opus 1 auswählt - das Werk, mit dem er in der Öffentlichkeit einen ersten Eindruck hinterlassen will. Durch den Beginn im Stile Ludwig van Beethovens, die ungemein enge Verzahnung von Musik und Poesie im Andante sowie die zentrale Bedeutung des in diesem Satz zitierten Volkslieds für die gesamte Sonate, macht Brahms deutlich, an welche Traditionen er anknüpft, ohne an innovativer Kraft zu verlieren.

Die Noten zum zweiten Satz fallen sofort ins Auge: Als wenn es sich um ein Lied handeln würde, ist dem Thema des Andante-Variationssatzes ein Text unterlegt. Die Anweisungen darüber in kleinerer Schrift - "Vorsänger" und mit Einsatz der Vierstimmigkeit "Alle" - unterstreichen zusätzlich den Gesangscharakter. Das hat es so noch nicht in einer Sonate gegeben: Poesie und Instrumentalmusik gehen eine Symbiose ein, die nicht enger sein könnte. Vor dem Hintergrund, dass Brahms diese Sonate bewusst als sein Opus 1 auswählt, sie gewissermaßen der Öffentlichkeit als seine kompositorische Visitenkarte präsentiert, ist diese Beobachtung von noch größerer Tragweite. Er steht voll und ganz zu jener poetischen Durchdringung und das Werk lässt sich in diesem Sinne als symptomatisch für das gesamte literarisch geprägte Frühwerk bis Opus 10 verstehen.

Unser heutiger Interpret ist Boris Giltburg, der Mitschnitt entstand am 14. Dezember 2016 im Bozar in Brüssel:

www.youtube.com/watch

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Urlaubsgrüßen von der Ostsee

Matthias Wengler

Beitrag von sd