Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
heute erwartet Sie Werbung in eigener Sache. Für mein nächstes Konzert (mehr dazu am Ende dieser Ausgabe) beschäftige ich mich aktuell mit der Musik von Kurt Weill. Die meisten seiner eingängigen, zugleich provokativen und bedeutungsschweren Songs schrieb Kurt Weill für seine große Liebe, für die Sängerin und Schauspielerin Lotte Lenya. Ihre Beziehung war äußerst turbulent: 1924 lernten sie sich kennen, 1926 folgte die Heirat, 1933 dann die Scheidung. 1937 heirateten sie zum zweiten Mal. Beide hatten diverse Seitensprünge - und doch schrieb Weill an Lenya: „Ich glaube, wir sind das einzige Ehepaar ohne Probleme“. Der erhaltene Briefwechsel zwischen Kurt Weill und Lotte Lenya ist Liebesgeschichte und kulturhistorisches Dokument zugleich.
Bekannt wurde Kurt Weill vor allem durch die in der Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht entstandene „Dreigroschenoper“, die seit der Premiere 1928 einen weltweiten Siegeszug antrat. Eher unbekannt ist, dass Kurt Weill ein außerordentlich vielfältiger Komponist war, der ebenso Sinfonien und Orchesterwerke geschrieben hat und auch im Musiktheater erfolgreich war - von Schuloper über amerikanische Volksoper bis hin zu erfolgreichen Broadway-Musicals. Er konnte seine Musik sowohl für das ernste Genre als auch für die Unterhaltungsmusik maßschneidern. Viele der Werke von Kurt Weill werden heutzutage nur noch selten gespielt.
Zu Kurt Weill gehört untrennbar seine Ehefrau, seine Muse, Interpretin seiner Werke und unermüdliche Verfechterin seiner Musik: Lotte Lenya. Als Jahrhundert-Seeräuberjenny hat sie Theatergeschichte mitgeschrieben. Die Sängerin und Schauspielerin lebte in vier Ländern auf zwei Kontinenten - nie ohne ihren Ehemann und Lebensfreund, Kurt Weill, dessen Musik sie intuitiv und erfolgreich interpretierte. Sie waren eines der innovativsten Künstlerpaare, die in den späten 1920er Jahren ihr Leben und ihre künstlerische Tätigkeit untrennbar in einer blühenden Theater- und Musikszene vernetzten.
Als Weill 1950 auf dem Höhepunkt seiner Karriere mit nur 50 Jahren starb, wurde sie zur Agentin seiner Musik und begann eine zweite Karriere. So kam es zur Weill-Renaissance in Europa, und Amerika lernte erst durch sie den europäischen Weill kennen. Paradoxerweise machte die Musik ihres Mannes, die für sie zu seinen Lebzeiten eine unüberwindliche Konkurrenz darstellte, Lotte Lenya nach seinem Tod zur eigenständigen Künstlerin. Sie spielte außerdem im James-Bond-Film „Liebesgrüße aus Moskau“, in der Musical-Uraufführung von „Cabaret“ verkörperte sie am Broadway 1.000 Abende lang die Rolle der Pensionswirtin Fräulein Schneider. Lotte Lenya gründete die Kurt Weill Foundation for Music, die bis heute das Erbe Weills pflegt. Lotte Lenya verstarb 1981 im Alter von 83 Jahren in New York.
Hier sollen heute einige Lieder von Kurt Weill vorgestellt werden, die Mitschnitte entstanden im Dezember 2020 in der Londoner Wigmore Hall. Es musizieren Fatma Said und Joseph Middleton:
Youkali: www.youtube.com/watch
I'm a Stranger Here Myself (aus "One Touch of Venus"): www.youtube.com/watch
Speak low (aus "One Touch of Venus"): www.youtube.com/watch
Und hier noch ein ganzes Konzert mit Ute Lemper und dem Milwaukee Symphony Orchestra unter der Leitung von Andreas Delfs, das Programm beinhaltet Titel u. a. aus "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny", "Die Dreigroschenoper", "One Touch of Venus" und "Lady in the Dark":
Zum Schluss noch der angekündigte Konzerthinweis:
Freitag, 22. Mai 2023, 19:30 Uhr, Stadtkirche, Königslutter
Sprich leise, wenn du Liebe sagst...
Lotte Lenya und Kurt Weill – Lieder und Briefe
Corinna Tjiang und André Mumot, Lesung
Antje Siefert, Mezzosopran * Matthias Wengler, Klavier
Eintritt: 20 €, 50% ermäßigt für Schüler/Studenten;
Vorverkauf: Buchhandlung Kolbe – Sarinas Bücher- und Spieleparadies (Königslutter) / www.coramclassic.de
Restkarten an der Abendkasse ab 19:00 Uhr
Die Lieder dieser musikalischen Lesung beinhalten u. a. Auszüge aus der „Dreigroschenoper“ („Seeräuber-Jenny“ und Barbara-Song), Titel aus den Musicals „Lady in the Dark“, Happy End“ und „One Touch of Venus“ sowie auch unbekanntere Lieder aus der Berliner und Pariser Zeit (u. a. „Der Abschiedsbrief“ „Youkali“ und „Je ne t’aime pas“). Mit „Sprich leise, wenn du Liebe sagst“ ist in der Stadtkirche eine spannende und unterhaltsame musikalisch-biographische Spurensuche zu erleben, die von Berlin über Paris bis zum New Yorker Broadway führt. Seien Sie hierzu herzlich willkommen!
Ihnen allen ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler
