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26.02.2026 Kategorie: Musik in schwierigen Zeiten

Musik in schwierigen Zeiten - 894

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

ein Spätwerk von Antonin Dvořák steht heute auf dem Programm: Ein Heldenlied op. 111, entstanden rund  vier Jahre nach seiner neunten und letzten Sinfonie "Aus der neuen Welt". 

In den Jahren 1896/1897 beschäftigte sich Dvořák intensiv mit der Gattung der Sinfonischen  Dichtung. Meist bezog er sich dabei auf tschechische Märchenstoffe. Nur das Heldenlied, seine fünfte und letzte sinfonische Dichtung, verzichtet auf ein konkretes literarisches Programm. 

Die Form kombiniert nach dem Vorbild Franz Liszts einen weitgespannten, durchkomponierten Sonatensatz mit den vier Abschnitten einer Sinfonie (Kopfsatz, langsamer Satz, Scherzo, Finale), die ohne Pause ineinander übergehen. Das Heldenlied wurde 1898 mit großem Erfolg von den Wiener Philharmonikern unter der Leitung Gustav Mahlers uraufgeführt. Auf Mahlers Einladung hin konnte Dvořák nicht nur der Premiere, sondern auch den Proben beiwohnen. Laut einem zeitgenössischen Bericht des Kritikers Eduard Hanslick war das Publikum von Dvořáks Komposition begeistert: „‚Ein Heldenlied‘, inspiriert von wahrem Talent und mit überragender Technik geschaffen, wird gewiss überall triumphieren“, schrieb Hanslick. „Der Erfolg in Wien lässt diese Erwartungen aufleben. Dieses sehr anspruchsvolle Werk, unter Mahlers Leitung mitreißend dargeboten, hinterließ einen tiefen Eindruck. Der Komponist war anwesend, und der stürmische Applaus veranlasste ihn immer wieder, auf die Bühne zu gehen und sich als Zeichen seines Erfolgs zu verbeugen.“ 

Im November 1899 gab es eine weitere Aufführung von „Ein Heldenlied“ in Berlin, und im Dezember desselben Jahres dirigierte Dvořák es selbst in Budapest. „Ein Heldenlied“ ist Dvořáks letzte Orchesterkomposition.

Dank des Titels und des Inhalts drängen sich Vergleiche mit Hector Berlioz’ Symphonie fantastique oder Richard Strauss’ "Ein Heldenleben" auf. Dvořák beschrieb das Programm folgendermaßen: „Mir kam instinktiv eher ein spiritueller Held, ein Künstler, in den Sinn, und so denke ich, dass der Held bereits im ersten Thema angedeutet wird. Es drückt Energie, Entschlossenheit und Stärke (Molto vivace) aus. Das zweite Thema (Adagio, quasi marcia) in b-Moll führt Schmerz, Klage usw. ein; Des-Dur deutet auf Hoffnung, Trost usw. hin. Dann folgt der erste Kampf. Die Passage in E-Dur im 2/4-Takt bringt neue Freude und Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft; am Ende kommt der Sturm und der endgültige Sieg der Idee.“

Dvořáks Heldenlied wurde am 26. Mai 2021 im Smetana-Saal des Prager Gemeindehauses aufgeführt, das Radio Sinfonieorchester Prag spielte unter der Leitung von František Macek:

www.youtube.com/watch

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler

Beitrag von sd