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27.02.2026 Kategorie: Musik in schwierigen Zeiten

Musik in schwierigen Zeiten - 897

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

Hans Christian Andersens Märchen vom Schweinehirt soll Richard Strauss in der Adventszeit 1947 zu unserem heutigen Musikstück inspiriert haben: Das Duett-Concertino F-Dur für Klarinette und Fagott mit Streichorchester und Harfe. 

Erst nach der Uraufführung seiner letzten Oper "Capriccio" 1942 kehrte Strauss zur Instrumentalmusik zurück, die ihn seit der Alpensinfonie (1915) und den Sinfonischen Etüden (1927) nicht mehr beschäftigt hatte. Da er "Capriccio" für den Abschluss seines Lebenswerks hielt, sah er die zwischen 1943 und 1947 entstandenen Instrumentalwerke lediglich als Beschäftigungstherapie für den Ruhestand an. Er sprach von „Werkstattarbeiten, damit das vom Taktstock befreite rechte Handgelenk nicht vorzeitig einschläft.“ Neben seinem Bühnenschaffen hatte er auch seine Dirigentenkarriere beendet.

Dass es sich bei jenen „Werkstattarbeiten“ überwiegend um Musik für Bläser handelt, lässt auf Jugenderinnerungen schließen. Als junger Komponist hatte Strauss mit Bläsermusik seinen Weg begonnen, nun schloss er ihn auch so ab. Das zweite Hornkonzert, die Festmusik der Stadt Wien für Bläser und Pauken, das Oboenkonzert, die beiden Sonatinen für 16 Bläser und das Duett-Concertino ziehen die Summe aus seinem lebenslangen Interesse an den besonderen Farbvaleurs der Bläser. 

Strauss begann seine Arbeit am Duett-Concertino Ende 1946 in der Schweiz und vollendete das Werk im Dezember 1947 in Montreux. Wie auch Elgar schätzte er seine Freundschaften mit professionellen Kollegen; und der ursprüngliche Anstoß für das Werk war sein alter Freund Hugo Burghauser, Solo-Fagottist bei den Wiener Philharmonikern, bevor dieser von den Nazis ins Exil getrieben wurde. Als er das Duett-Concertino Burghauser widmete, sagte Strauss ihm, dass das Werk auf einem Märchen basiere: „Eine tanzende Prinzessin (Klarinette) wird auf die seltsamen Kapriolen eines Bären (Fagott) aufmerksam. Als sie schließlich mit diesem tanzt, verwandelt sich der Bär in einen Prinzen. Am Ende wirst auch du zu einem Prinzen und lebst glücklich bis ans Lebensende…“

Der Dirigent Clemens Krauss, der oft mit Strauss zusammenarbeitete, verfechtete, dass das Concertino auf Hans Christian Andersens Märchen "Der Schweinehirt" basiert. Dennoch sind Zweifel angebracht - typischerweise weigerte sich Strauss, irgendetwas preiszugeben, als er zu einem möglichen Programm befragt wurde. Ebenso wie die begleitenden Concertos steht und fällt das Duett-Concertino allein als „reine“ Musik.

Hier der Mitschnitt des Duett-Concertino mit Thorsten Johanns und Ole Kristian Dahl sowie dem WDR Sinfonieorchester Köln unter der Leitung von Dan Ettinger, aufgezeichnet am 21. November 2014 im Funkhaus des WDR am Wallrafplatz:

www.youtube.com/watch

Ihnen allen ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler

Beitrag von sd