Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
ein Frühwerk von Richard Strauss steht heute auf dem Programm: Macbeth op. 23.
Die sinfonische Tondichtung "Macbeth" entstand in einer wichtigen Phase in der Karriere von Richard Strauss. Der legendäre Dirigent Hans von Bülow, Wagnerianer der ersten Stunde, hatte Strauss nach Meiningen geholt, wo er das Dirigieren lernte und Johannes Brahms traf. Von dort kehrte Strauss in seine Heimatstadt München zurück, wo der ambitionierte Jungkomponist mit ersten Tondichtungen die abgenutzt erscheinende Form der Sinfonie überwinden wollte.
Kaum ein anderes Werk hat Richard Strauss so oft und so gründlich überarbeitet wie "Macbeth". Die erste der drei Fassungen schickte er im Januar 1888 an seinen Mentor Bülow, der ihm mitteilte, er könne eine Tondichtung über den schottischen Königsmörder unmöglich mit dem Triumphmarsch seines Widersachers Macduff abschließen. Strauss schrieb das Finale um, und nun endet das Werk düster mit dem Tod des Titelhelden. Später änderte er noch einige Details dieses finsteren Nachtstücks, das allerdings nicht sklavisch den Handlungsablauf bei Shakespeare wiedergibt, sondern vielmehr atmosphärisch dicht die Stimmung der Tragödie einfängt.
"Macbeth" erreichte nie die Popularität der anderen Tondichtungen von Richard Strauss. Hier wird deutlich, dass Strauss noch auf der Suche nach einer neuen Form war und seine Gestaltungsmittel noch nicht völlig im Griff hatte. Das änderte sich bereits im "Don Juan". Zur Meisterschaft gelangte er spätestens 1889 mit der in Weimar vollendeten Komposition "Tod und Verklärung". "Macbeth" zählt bis heute zu den eher selten zu hörenden Strauss-Werken.
Der heutige Konzertmitschnitt entstand im Rahmen des Rheingau Musik Festivals 2014, im Kloster Eberbach musizierte am 22. August das hr-Sinfonieorchester unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada:
Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler
