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24.09.2026 Kategorie: Musik in schwierigen Zeiten

Musik in schwierigen Zeiten - 982

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

Klaviermusik von Robert Schumann erwartet Sie in der heutigen Ausgabe: Die Humoreske B-Dur op. 20.

Schumanns Humoreske ist nicht etwa, wie der Titel nahelegt, ein kurzes, launiges Charakterstück wie bei Dvořák, Grieg, Reger und anderen, sondern ein Klavierzyklus, der dem Umfang nach den Davidsbündlertänzen op. 6 in nichts nachsteht. Warum er den Ausdruck „Humoreske“ als Titel wählte - später verwendete er ihn auch für das zweite seiner Fantasiestücke op. 88 für Klaviertrio -, erläuterte er Clara Wieck in einem Brief vom 11. März 1839: "Dir über acht Tage lang nicht zu schreiben, ist das recht? Aber geschwärmt hab ich in Dir, und mit einer Liebe an Dich gedacht, wie ich schon gar nicht gekannt. Die ganze Woche saß ich am Klavier und componirte und schrieb und lachte und weinte durcheinander; dies findest Du nun Alles schön abgemalt in meinem Op. 20, d. großen Humoreske, die auch schon gestochen wird. Sieh, so schnell geht es jetzt bei mir. Erfunden, aufgeschrieben und gedruckt. Und so hab’ ich’s gerne. Zwölf Bogen in acht Tagen fertig geschrieben.

Die widerstreitenden Gefühle, die Schumann während der Komposition der Humoreske empfand, spiegeln sich in den Stimmungskontrasten des Stücks wider, in seinen „Humoren“, verstanden als Launen. In einem Brief vom 15. März 1839 an seinen belgischen Anhänger Simonin de Sire gab Schumann einen Hinweis auf die Bedeutung des Werktitels, als er anmerkte, man könne das Wort „Humoreske“ nicht treffend ins Französische übersetzen: „Es ist schlimm, daß gerade für die in der deutschen Nationalität am tiefsten eingewurzelten Eigenthümlichkeiten und Begriffe wie für das Gemütliche (Schwärmerische) und für den Humor, der die glückliche Verschmelzung von Gemüthlich und Witzig ist, keine guten und treffenden Worte in der französischen Sprache vorhanden sind. Es hängt dieses aber mit dem ganzen Charakter der beiden Nationen zusammen.“

Zwei Pianisten stelle ich Ihnen heute mit Schumanns Humoreske zur Auswahl, zunächst Nikolai Lugansky, hier in einem Konzertmitschnitt aus dem Jahr 2017 im St. Petersburger Mariinsky-Theater:

www.youtube.com/watch

Zum Vergleich: Seong-Jin Cho in einem Mitschnitt des Klavier-Festivals Ruhr vom 18. Juni 2021 in der Historischen Stadthalle Wuppertal: 

www.youtube.com/watch

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler
 

Beitrag von sd