Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
eine ungewöhnliche Musikgattung steht heute auf dem Programm: Das Melodram "Enoch Arden" op. 38 von Richard Strauss.
Selten verschmelzen Klavierklang und Poesie so intensiv wie bei „Enoch Arden“, einer Kostbarkeit der Musik- und Literaturgeschichte. 1864, im Geburtsjahr von Richard Strauss, wurde die gleichnamige Ballade von Alfred Lord Tennyson veröffentlicht. Der britische Dichter entwarf eine Tragödie über einen Fischer, der nach einem Unfall zum Handelsseemann wird, um seine Familie mit drei Kindern ernähren zu können. Auf hoher See erleidet Enoch Arden Schiffbruch und bleibt für Jahre verschollen. Seine Frau Annie träumt, er habe auf einer einsamen Insel überlebt, erklärt ihn jedoch für tot, unter dem Druck eines neuen Verehrers, der ihr mehrmals Heiratsanträge macht. Enoch Arden aber lebt und kehrt eines Tages zurück…
Nicht nur im viktorianischen Großbritannien fand das an Bezügen und Symbolen reiche Versepos großen Anklang. Bis 1914 erschienen zwölf Übersetzungen ins Deutsche. „Enoch Arden“ wurde verfilmt und als Oper umgesetzt. Richard Strauss verarbeitete es 1897 zu einem Melodram, bettet das gesprochene Wort in eine Klaviermusik, die ähnlich dem Liedgenre eine sehr sensible Intensivierung bewirkt.
Hier ein Mitschnitt mit Jochen Kowalski und Günther Albers:
Ihnen allen ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler
