Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
Kammermusik von Robert Schumann für Horn und Klavier erwartet Sie in der heutigen Ausgabe: Adagio und Allegro As-Dur op. 70.
1849 wandte sich Schumann einer neuen Gattung zu: Werken für Klavier und ein Begleitinstrument. Als erstes entstanden die Fantasiestücke für Klavier und Klarinette op. 73, denen dann unmittelbar das Adagio und Allegro op. 70 folgte. Clara spielte das neue Werk zusammen mit dem Hornisten Julius Schlitterlau, einem ausgezeichneten Hornisten der Dresdner Hofkapelle, und schrieb danach in ihr Tagebuch: "Das Stück ist prächtig, frisch und leidenschaftlich, so wie ich es gern habe!" Auch Schumann selbst war von seiner neuen Komposition angetan. Gegenüber dem Verleger Kistner hob er besonders das "brillante Allegro" hervor, dessen Solostimme in der Tat so virtuos ist, dass Opus 70 bis heute zu den Paradestücken für jeden Hornisten gehört.
Zeitgenossen rühmten das „Stück aus dem Seelenleben“ und „die Wahrheit der Stimmungen, auf denen es ruht“. Schumann selbst ließ für die weitere Verbreitung auch alternative Solostimmen für Violoncello und Violine anfertigen. Als Vorstudie und Anregung gleichermaßen könnte Schumanns Opus 70 zu seinem in unmittelbarem Anschluss komponierten Konzertstück für vier Hörner und großes Orchester op. 86 aufgefasst werden, das bis heute zu den schwierigsten Stücken der wenig umfangreichen Horn-Literatur gehört. Mindestens ebenso anspruchsvoll und virtuos gestaltete Schumann den Hornpart seines Opus 70, das in der ursprünglich vorgesehenen Version am besten zur Geltung kommt.
Wegen des anspruchsvollen Hornparts mag es letztlich nicht verwundern, dass das Werk von Anfang an häufiger in der Fassung für Cello erklang, während die für Violine eher als Notbehelf gelten sollte. In der Fassung für Violoncello ist das Werk besonders populär geworden. Hier zunächst die Originalfassung mit Ben Goldscheider und Richard Uttley, aufgezeichnet im September 2022 im National Centre for Performing Arts in Mumbai:
Zwei Mitschnitte in der Fassung für Violoncello empfehle ich Ihnen hier noch, zunächst mit Mischa Maisky und Martha Argerich, aufgezeichnet 2010 in der Philharmonie Essen:
Zum Vergleich noch ein Mitschnitt vom Verbier Festival, wo am 24. Juli 2015 Edgar Moreau und Julien Quentin Schumanns Opus 70 musizierten:
Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler
