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24.07.2026 Kategorie: Musik in schwierigen Zeiten

Musik in schwierigen Zeiten - 959

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

es ist soweit - passend zur Eröffnung der diesjährigen Bayreuther Festspiele an diesem Wochenende findet heute Richard Wagners "Ring des Nibelungen" in dieser Reihe seinen Abschluss: Nach "Das Rheingold" (2023), "Die Walküre" (2024) und "Siegfried" (2025) folgt heute die "Götterdämmerung".

Mit "Götterdämmerung" setzt Wagner den Schlussstein zu seinem monumentalen vierteiligen Opus, das er unter dem Eindruck der Revolution von 1848/49 konzipiert und nach vielen Mühen und längerer Unterbrechung 1874 vollendet hat. Am 21. November schrieb er unter die letzte Seite der Partitur: „Vollendet in Wahnfried, ich sage nichts weiter!! R. W.“ . In vielfacher Weise sind die thematischen wie musikalischen Linien miteinander verflochten, überaus kunstvoll und komplex. Die Handlungsstränge und -fäden, auch die zwischenzeitlich fast in Vergessenheit geraten, werden wieder aufgenommen, im Sinne eines bis in die letzten Verästelungen hinein entfalteten großen Dramas. 

Die Idee zu einem Heldenepos mit dem Titel „Siegfrieds Tod“ - aus dem die spätere "Götterdämmerung" mit weiteren Horizonten heraus entwickelt wurde - hatte die Keimzelle des Rings gebildet. Sukzessive entwarf Wagner die Vorgeschichten dazu, von altnordischen Sagen und Legenden inspiriert, sodass die Welt der Götter mit derjenigen der Menschen zusammengeführt wurde. Er spiegelte damit seine eigene Gegenwart und lässt auch uns Heutigen unendlichen Raum für eigene Deutungen und eigenes Nachdenken.

Schon zu Beginn des vierten und letzten Teils von Richard Wagners "Der Ring des Nibelungen" ist klar, dass der Machtverfall der Götter nicht aufzuhalten ist: Menschen sind es, die den Lauf der Dinge nun immer stärker beeinflussen. Die Liebesbeziehung von Siegfried und Brünnhilde steht unter keinem guten Stern, denn König Gunther begehrt die außergewöhnlichste Frau der Welt. Siegfried erobert sie für ihn, als schuldlos-schuldiges Werkzeug des machtgierigen Hagen, Alberichs Sohn. Ein Meineid wird Siegfried zum Verhängnis. Brünnhilde verrät, wie der strahlende Held zu Fall gebracht werden kann. Doch ist die alte Ordnung wieder hergestellt, wenn Brünnhilde in der letzten Szene dem Rhein den Ring zurückgibt? Die ausführliche Handlung finden Sie wie gewohnt am Ende dieser Ausgabe.

Zwei Mitschnitte empfehle ich Ihnen heute - zunächst die Inszenierung von Patrice Chéreau, die als "Jahrhundert"-Ring 1976 bei den Bayreuther Festspielen Operngeschichte geschrieben hat. Damals hatte man das 100-jährige Bestehen des Festivals gefeiert, gleichzeitig auch den 100. Jahrestag der ersten kompletten zyklischen „Ring“-Aufführung - und hatte für dieses besondere Ereignis erstmals die Inszenierung außerhalb der Wagner-Familie vergeben. Chéreaus radikale Deutung des „Rings“ (angesiedelt in der Zeit der Frühindustrialisierung) als Parabel auf die Umbrüche des 19. Jahrhunderts, als „eine Beschreibung der Perversion der Gesellschaft, die sich in der Erhaltung der Macht begründet“ (Zitat Patrice Chéreau), ist zuerst vehement abgelehnt worden, um dann (bis 1980) dank der starken Bildsprache, der Stringenz der Produktion und der Intensität der Aufführungen immer mehr gefeiert zu werden. Die musikalische Leitung hatte Pierre Boulez, die Besetzung: Manfred Jung (Siegfried), Gwyneth Jones (Brünnhilde), Fritz Hübner (Hagen), Hermann Becht (Alberich), Franz Mazura (Gunther), Jeannine Altmeyer (Gutrune), Gwendolyn Killebrew (Waltraute), Ortrun Wenkel, Gabriele Schnaut, Katie Clarke (Nornen), Norma Sharp (Woglinde), Ilse Gramatzki (Wellgunde) und Marga Schiml (Flosshilde).

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Zum Vergleich die Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf an der Wiener Staatsoper in einer Aufzeichnung aus dem Jahr 2016. In eine Zeitlosigkeit gehüllt, erzählt er die Ring-Geschichte als ein Modell der Welt, wobei der Regisseur keine konkret-zeitgenössischen politischen oder gesellschaftlichen Deutungen setzen will: "Wenn man von schöner Blauäugigkeit absieht und darauf verzichtet, reibungslos von A nach B zu kommen, ist der Ring auch ohne "Botschaft" welthaltig. Trotz oder durch Abstraktion. Konfliktreich, nicht stringent. Völlig widersprüchlich, aber wirksam. Er berührt in meinen Augen assoziationsreich die großen Fragen und Angelegenheiten unserer Existenz, ohne irgendetwas beantwortet oder in Aussicht gestellt zu haben."

Die musikalische Leitung hatte Adam Fischer, die Besetzung: Christian Franz (Siegfried), Linda Watson (Brünnhilde), Eric Halfvarson (Hagen), Jochen Schmeckenbecher (Alberich), Boaz Daniel (Gunther), Regine Hangler (Gutrune), Anna Larsson (Waltraute), Monika Bohinec, Ulrike Helzel, Ildiko Raimondi (Nornen), Andrea Carroll (Woglinde), Rachel Frankel (Wellgunde) und Juliette Mars (Flosshilde):

www.youtube.com/watch

Und auch in dieser Ausgabe: Cornelius Meister führt durch den vierten und letzten Teil des Rings - unterhaltsam und kenntnisreich! Erfahren Sie Wissenswertes und Kurioses zu Handlung und musikalischer Gestaltung:

www.youtube.com/watch

Ihnen allen ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler


Handlung

Vorspiel
Drei Nornen spinnen am Schicksalsseil, schildern Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Alberichs Raub des Rheingolds, der Fluch des Ringes, Wotans Selbstkonstituierung durch das Schneiden seines Vertragsspeeres aus der Weltesche, ihr Verdorren, ihre Fällung, Siegfrieds Zusammentreffen mit Wotan. Doch das Schicksalsseil reißt, die Nornen fliehen hinab zu ihrer Mutter Erda.
Am Walkürenfelsen verabschiedet sich Siegfried von Brünnhilde und wird von ihr mit schützenden Runen versehen; als Liebespfand lässt ihr Siegfried den Ring des Nibelungen.

1. Aufzug
Hagen, der Sohn Alberichs, rät seinem Halbbruder Gunther und dessen Schwester Gutrune, den Ruhm zu vermehren:
Gunther soll Brünnhilde heiraten und Gutrune Siegfried. Als dieser zu ihnen gelangt, reicht ihm Gutrune auf Ratschlag Hagens einen Trank, der Siegfried Brünnhilde jäh vergessen lässt – er verliebt sich in Gutrune. Um sie zu gewinnen, verspricht er, Brünnhilde für Gunther vom Walkürenfelsen zu holen.
Nachdem er mit Gunther Blutsbrüderschaft geschlossen hat, eilt Siegfried davon, um Brünnhilde für Gunther zu gewinnen. In der Zwischenzeit wird Brünnhilde von ihrer Schwester, der Walküre Waltraute, aufgesucht. Diese fleht sie an, den Ring den Rheintöchtern zurückzugeben, um den Fluch zu lösen. Brünnhilde verweigert jedoch den Ring, da es sich um Siegfrieds Liebespfand handelt. Siegfried erscheint, durch seinen Tarnhelm in die Gestalt von Gunther verwandelt, durchschreitet das Feuer und bezwingt Brünnhilde. Als Zeichen ihrer Vermählung – mit Gunther – entreißt er ihr den Ring.

2. Aufzug
In einer nächtlichen Szene mahnt Alberich seinen Sohn Hagen, für ihn den Ring zu gewinnen.
Als die mit Gunther ankommende Brünnhilde Siegfried und Gutrune als Paar sieht und den Ring an Siegfrieds Hand erkennt, bezichtigt sie ihn des Treuebruchs. Siegfried leugnet seine Schuld. Doch Hagen, Gunther und Brünnhilde beschließen seinen Tod.

3. Aufzug
Auf der Jagd begegnet Siegfried den Rheintöchtern, die ihn um den Ring bitten und ihn vor dem Fluch warnen.
Doch der Ring bleibt bei Siegfried. Die Jagdgesellschaft stößt zu ihm, auf Aufforderung Hagens erzählt Siegfried aus seinem bisherigen Leben. Während er spricht, reicht ihm Hagen einen Trank, der die Erinnerung an Brünnhilde wiederherstellt. Hagen erreicht damit das Geständnis des Treuebruchs und stößt ihm einen Speer in den Rücken. Sterbend gedenkt Siegfried seiner Liebe zu Brünnhilde. Im Streit um den Ring tötet Hagen Gunther, doch Brünnhilde macht nun ihr ursprüngliches Recht auf Siegfried – und den Ring – wieder geltend:
Sie ordnet Siegfrieds Verbrennung an und stürzt sich selbst ins Feuer. Der über seine Ufer steigende Rhein überflutet die Brandstätte, die drei Rheintöchter ziehen Hagen, der den Ring für sich gewinnen will, in die Tiefe, der Ring ist wieder an den Rhein zurückgefallen. Während Walhall in Flammen aufgeht, erleben die Menschen in höchster Ergriffenheit den Untergang des Göttergeschlechts mit.

Beitrag von sd