Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
willkommen in einer neuen Woche - den musikalischen Auftakt macht heute das Cellokonzert d-Moll von Édouard Lalo.
Lalo war bereits 51 Jahre alt, als ihm sein Violinkonzert erste Erfolge als Komponist bescherte. In den folgenden 18 Jahren etablierte ihn eine Reihe herausragender Werke, darunter die Oper „Le roi d’Ys“, die Symphonie espagnole, das Concerto russe und ein großartiges Cellokonzert, als einen der bedeutendsten französischen Komponisten des späten 19. Jahrhunderts. Da Lalo in seiner Jugend Cello studiert hatte, besaß er ein tiefes Verständnis für das Instrument und schuf ein Konzert, das die sehnsuchtsvolle Intensität des zentralen Intermezzos mit brillanter Virtuosität in den Ecksätzen verbindet.
Im nordfranzösischen Lille geboren, lernte Lalo zunächst am Konservatorium seiner Heimatstadt Violine und Bratsche. Als er mit 16 nach Paris übersiedelte, um am dortigen Konservatorium weiter zu studieren, musste er auf die Unterstützung seiner Eltern verzichten - sie hatten ihn, einer Familientradition folgend, für den Militärdienst vorgesehen. So schlug sich der junge Musiker mit Stundengeben und Orchester-Engagements durch; daneben entstanden in den 1840er Jahren seine ersten Kompositionen. Zusammen mit Kommilitonen gründete er außerdem das Armingaud-Quartett, das sich für die in Frankreich noch wenig bekannte Kammermusik von Haydn bis Schumann einsetzte. Mit seinen eigenen Werken, überwiegend aus dem Kammermusikgenre, stieß Lalo zunächst auf wenig Gegenliebe, weil sich das Interesse des französischen Publikums auf die Grand Opéra und Orchesterwerke konzentrierte.
Der Durchbruch gelang ihm erst Jahrzehnte später mit der Symphonie espagnole (1874), die eigentlich sein zweites Violinkonzert war. Wie schon das im Vorjahr entstandene erste Konzert war sie dem befreundeten Pablo de Sarasate gewidmet, und die Beliebtheit des großen spanischen Geigenvirtuosen trug zweifellos viel zu Lalos Karrieresprung bei. Auf der Welle des Erfolgs wollte er verständlicherweise weiter reiten - das gelang ihm vor allem mit seinem Cellokonzert (1876). Obwohl er in jungen Jahren selbst Unterricht auf dem Cello erhalten hatte, schrieb Lalo die Solostimme seines Konzerts in Abstimmung mit einem Virtuosen, dem Belgier Adolphe Fischer. Und anders als in der fünfsätzigen Symphonie espagnole folgte er im Cellokonzert grundsätzlich der konventionellen dreisätzigen Anlage - was Überraschungen in manchen Details nicht ausschloss. Womöglich lag ein weiterer Grund für Lalos späten Erfolg darin, dass er den Bedürfnissen seines Publikums nun bereitwilliger als in früheren Jahren entgegenkam: So wirkt das Cellokonzert über weite Strecken geradezu opernhaft - mit dem Solisten in der Rolle eines Sängers, der von einem Theaterorchester aufmerksam begleitet wird.
Zwei Mitschnitte stelle ich Ihnen zur Auswahl, zunächst Sol Gabetta mit dem SWR Symphonieorchester unter der Leitung von Pierre Bleuse, aufgezeichnet am 31. Oktober 2025 in der Stuttgarter Liederhalle:
Zum Vergleich: Jaemin Han mit der Nordwestdeutschen Philharmonie unter der Leitung von Elias Grandy, aufgezeichnet am 27. April 2025 im Amsterdamer
Concertgebouw:
Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler
