Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
vor wenigen Tagen habe ich ein Konzert in Potsdam besucht und stelle Ihnen heute gerne den Musiker vor, der an diesem Abend als Debüt-Künstler im Mittelpunkt stand. Es ist der junge brasilianische Geiger Guido Sant'Anna - ein Werk aus seinem Programm habe ich für diese Ausgabe ausgewählt, es stammt ebenfalls aus Brasilien: Die Violinsonate Nr. 4 von Claudio Santoro.
Cláudio Santoro (1919–1989) gilt als einer der bedeutendsten Komponisten Brasiliens. Er war Mitbegründer des Brasilianischen Sinfonieorchesters und Gründungsdirigent des Orchesters des Nationaltheaters von Brasília. Sein Werk wandelte sich von der Zwölftonmusik hin zu einem nationalen Realismus und später zu avantgardistischen Experimenten. Er hinterließ ein umfangreiches Œuvre, darunter 14 Sinfonien, Konzerte und Kammermusik, die weltweit aufgeführt werden.
Seine vierte Violinsonate entstand 1951 in Rio de Janeiro. Sie markiert die wichtige Phase in Santoros Schaffen, in der er sich von der strengen Zwölftontechnik (Serialismus) weg und hin zu einem stärkeren brasilianischen Nationalismus entwickelte. Die dreisätzige Sonate enthält sowohl brasilianische Rhythmen wie Synkopen, modale Melodien und Folk-Elemente, die mit Chromatik und dissonanten Intervallen kombiniert werden. Sie folgt einem zyklischen Schema, bei dem die Sätze durch gemeinsames melodisches und rhythmisches Material miteinander verbunden sind.
Unsere heutigen Interpreten sind Guido Sant'Anna (von dem man in den kommenden Jahren mit Sicherheit noch viel hören wird) und Elisa Galeano, der Mitschnitt entstand am 21. März 2023 beim Festival do Maio (Portugal):
Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler
