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24.06.2026 Kategorie: Musik in schwierigen Zeiten

Musik in schwierigen Zeiten - 945

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

ein wichtiges Stück aus dem Werk Ludwig van Beethovens steht heute im Mittelpunkt: Die Klaviersonate Nr. 28 A-Dur op. 101.

Diese Klaviersonate markiert den Übergang zu Beethovens Spätwerk. Die fortschreitende Taubheit des Komponisten machte sich bereits drastisch bemerkbar, so dass er es nicht mehr wagte, selbst als Pianist öffentlich aufzutreten. Er experimentierte mit ungewohnten Harmonien und formalen Brüchen, verfasste detaillierte deutsche Satzbezeichnungen und verwendete in dieser Sonate erstmals einen Ton, der so „unerhört“ war, dass er auf den meisten zeitgenössischen Klavieren noch gar nicht vorhanden war: das tiefe Kontra-E. 

Bereits der Anfang der Sonate ist kühn. Eigentlich ist es gar kein richtiger Anfang, sondern lediglich das plötzliche Ertönen einer Melodie. Beethoven lässt die Sonate auch nicht in der Grundtonart A-Dur beginnen, wie zu erwarten wäre, sondern auf der Dominante (E-Dur) - Ausdruck einer vorher kaum gekannten formalen Freiheit. 
In seiner letzten Schaffensphase geht Beethoven neue Wege, ordnet sich keinen Zwängen mehr unter und lässt sich vor allem von der ganz intensiven, subjektiven Emotion leiten. Die A-Dur-Sonate ist die erste der so genannten späten Klaviersonaten Beethovens. Es handelt sich bei diesen Sonaten um Werke voller Brüche und radikaler Umschwünge - unkonventionell in ihrer Widersprüchlichkeit, die doch irgendwie ihre Folgerichtigkeit hat. 

Vom lyrisch verträumten ersten Satz zum energischen, geerdeten Marsch des zweiten: Die Intensität, mit der sich die Emotionen wandeln, ist bemerkenswert in dieser Sonate, die dabei doch ganz ohne falsches Pathos auskommt. Voller Subtilität schildert Beethoven in diesem Stück zutiefst Menschliches und Transzendentes zugleich. Ganz besonders gilt dies für den dritten Satz, in dem nach Depression und Todesnähe das Thema des Beginns wieder aufgegriffen wird. Am Ende aber triumphiert das Leben. Voller Witz, Humor und Freude feiert Beethoven hier ein großes Fest. 

Drei Pianisten-Legenden habe ich heute für Sie ausgewählt, zunächst Daniel Barenboim in einem Mitschnitt aus seinem Beethoven-Sonaten-Zyklus vom Juni/Juli 2006 in der Berliner Staatsoper Unter den Linden:

www.youtube.com/watch

Zum Vergleich: Rudolf Buchbinder, aufgenommen im Rahmen der Salzburger Festspiele 2014 im Mozarteum:

www.youtube.com/watch

Und zum Abschluss: Vladimir Ashkenazy, aufgezeichnet 1983 in einem Londoner Fernsehstudio:

www.youtube.com/watch

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler

Beitrag von sd