Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwirigen Zeiten-Folge 73

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
Hand aufs Herz, denn heute geht es nicht ohne Pathos: Wer kennt dieses Werk NICHT?

Zu den klassischen Orchesterwerken, die für junge Konzertbesucher besonders geeignet sind, zählt Bedrich Smetanas „Die Moldau“. Der Komponist selbst schrieb hierzu: „Die Komposition schildert den Lauf der Moldau, angefangen bei den beiden kleinen Quellen, der kalten und der warmen Moldau, über die Vereinigung der beiden Bächlein zu einem Fluss, den Lauf der Moldau durch Wälder und Fluren, durch Landschaften, wo gerade eine Bauernhochzeit gefeiert wird, beim nächtlichen Mondschein tanzen die Nymphen ihren Reigen. Auf den nahen Felsen ragen stolze Burgen, Schlösser und Ruinen empor. Die Moldau wirbelt in den St.-Johann-Stromschnellen; im breiten Zug fließt sie weiter gegen Prag, am Vyšehrad vorbei, und in majestätischem Lauf entschwindet sie in der Ferne schließlich in der Elbe.“
Nachdem Sie bereits einen Ausschnitt aus dem populären Werk mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung Krzysztof Urba?ski erleben konnten, folgt hier die komplette „Moldau“ mit den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Jakub Hrusa:
Dass Smetanas „Moldau“ den zweiten Teil des insgesamt sechsteiligen Zyklus „Mein Vaterland“ („Ma vlast“) darstellt, ist schon weniger bekannt. Mit „Mein Vaterland“, bestehend aus sechs sinfonischen Dichtungen, setzte Bed?ich Smetana seiner tschechischen Heimat ein großartiges, klingendes Denkmal. Die ersten vier Teile – Vyšehrad, Die Moldau, Šárka und Aus Böhmens Hain und Flur – komponierte er zwischen 1872 und 1875, in engem thematischen Zusammenhang mit der als nationales Festspiel konzipierten Oper „Libusa“. Drei Jahre später, mittlerweile vollständig taub, ergänzte Smetana den Zyklus um die beiden letzten sinfonischen Dichtungen Tábor und Blaník. Komplett wurde „Má Vlast“ am 5. November 1882 in Prag uraufgeführt.
Wie klingt Heimat? Smetana hat diese Frage mit diesem Werk eindrucksvoll beantwortet – wenn Sie heute etwas mehr Zeit und Muße haben, folgt hier eine kurze Zusammenfassung der einzelnen sinfonischen Dichtungen, am Ende finden Sie einen Link zur Gesamtaufführung:
Vyšehrad – Hier werden Glanz und Fall der ersten Prager Königsburg auf dem Hügel Vyšehrad an der Moldau reflektiert. Es beginnt mit den hymnischen Harfenklängen eines Barden, der Allegro-vivo-Teil schildert die Kämpfe um die Burg und ihren Fall. Die Reprise mündet in eine Art Traum über die Vergangenheit.
„Vltava“ – Tonmalerisch wird, in der Form eines Rondos, der Lauf er Moldau von den beiden Quellen bis zum Hügel Vyšehrad nachvollzogen. Weitere Erläuterungen haben Sie bereits in diesem Newsletter gelesen.
„Šárka“ – Nach einer böhmischen Sage handelt es sich hier um das schöne Mädchen, das von Amazonenkönigin Vlasta im Kampf gegen böhmische Ritter eingesetzt wurde. An einen Baum gefesselt, lässt sich Šárka von den Rittern befreien und wird in deren Lager mitgenommen, wo ein ausgelassenes Liebesfest gefeiert wird. Wenn alles betrunken ist und schläft, ruft Šárka die Amazonen herbei, die den Rittern ein schmähliches Ende bereiten.
„Aus Böhmens Hain und Flur“ – In Form eines Variationensatzes mit mehreren Themen werden Stimmungs- und Naturbilder aus Böhmen geschildert, in denen – zunächst zaghaft – eine Polka ertönt, bis beim festlichen Schluss der Tanz dominiert.
„Tábor“ und „Blaník“ – Sie bildeten für Smetana den Schlüssel zum Verständnis des ganzen Werkes: „Tábor“ ist eine alte Hussitenstadt in Südböhmen. Für Smetana stand der hussitische Kampf und sein tragisches Ende symbolisch für das Schicksal seiner ganzen Nation. „Blaník“ gehört eng zu „Tábor“ und soll sich bei der Aufführung übergangslos an die vorherige Tondichtung anschließen. Die Seelen der geschlagenen Hussiten haben sich in einen Berg namens Blaník zurückgezogen und warten auf einen neuen Einsatz. Sie symbolisieren die Hoffnung auf „Auferstehung der tschechischen Nation“
So wie in Wien immer am Schluss des Neujahrskonzertes „An der schönen, blauen Donau“ und der „Radetzky-Marsch“ gespielt werden, hat auch dieses Werk ein festes Ritual: Das Festival „Prager Frühling“, das seit 1946 existiert, wird traditionsgemäß am 12. Mai, dem Todestag Smetanas, mit dem Zyklus „Mein Vaterland“ eröffnet.
Im vergangenen Jahr musizierten die Bamberger Symphoniker unter der Leitung ihres Chefdirigenten Jakub Hrusa das Werk bei den BBC Proms. Mit Begeisterung habe ich diese Aufführung vor einigen Monaten im Fernsehen gesehen – hier kommt der versprochene Link:
Ihnen allen ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler

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