Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten-Folge 86

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
mehrfach habe ich in der Vergangenheit Schuberts Fantasie f-Moll D 940 für Klavier zu vier Händen aufgeführt – und glauben Sie mir: Es fällt nicht leicht, auf diese Literatur momentan verzichten zu müssen, noch dazu bei einem so großartigen Musikstück .Kein anderer großer Komponist hat so viele Werke für Klavier zu vier Händen hinterlassen wie Schubert. Gemeinsames Musizieren, häufig in geselligem Kreis, war ein fester Bestandteil des Schubert’schen Freundeskreises. Mit der f-Moll-Fantasie verließ Schubert allerdings völlig die Sphäre des Geselligen und schuf in den ersten Monaten seines letzten Lebensjahres ein Werk von fast sinfonischem Zuschnitt, dessen elegische Stimmung zu Beginn gleichsam das Motto für das gesamte Werk darstellt.

Im Mai 1828 spielte Franz Schubert zusammen mit seinem Freund Franz Lachner zum ersten Mal die Fantasie, die vier Monate nach seinem Tod im März 1829 veröffentlicht wurde. Das Werk war mit einer Widmung an Comtesse Caroline von Esterházy versehen, eine Klavierschülerin des Komponisten, die mit ihm häufig vierhändig gespielt hatte – und die als seine große Liebe gilt: Entsprechend ist das Werk von tiefer Resignation durchzogen. Obwohl äußerlich einsätzig, ist sie deutlich in vier Abschnitte untergliedert. Wie der Entwurf zeigt, entschloss sich Schubert erst nachträglich, das Werk mit einer Fuge zu beenden. Vorbild dafür war seine C-Dur-Fantasie für Klavier, die sogenannte „Wanderer- Fantasie“.

Natürlich war Schubert klar, dass eine Liebe zwischen einem Hilfslehrer und einer Angehörigen des Hochadels in der damaligen Gesellschaft schlicht nicht gelebt werden konnte. Allein in seiner Fantasie war diese Liebe möglich. Und vielleicht spiegelt sie sich auch in der f-Moll-Fantasie, die Schubert seiner Caroline widmete. Die Akkordbrechungen, mit denen der zweite Pianist die Fantasie im tiefen Register eröffnet, pendeln zwischen zwei Stufen: f und c. Und auch das punktierte Thema der Oberstimme besteht zunächst nur aus diesen beiden Tönen: f für Franz und c für Caroline.

Taschentücher raus! Schuberts f-Moll-Fantasie zählt zu den Musikstücken, die uns immer wieder bewegen und berühren, auch wenn zwischendurch gesellige Ländler-Melodien auftauchen. Meine Interpretenauswahl fällt heute auf einen Konzertmitschnitt aus dem Concertgebouw Amsterdam. Nach 111 Tagen Lockdown waren Lucas und Arthur Jussen die ersten, die in diesem einzigartigen Konzertsaal am 1. Juli wieder vor Publikum spielen konnten.

 

https://www.youtube.com/watch?v=_J2WyyF_t2I

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler

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