Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten – Folge 8

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

„schrecklich…, furchtbar…, langweilig!“ – vernichtende Urteile stehen ebenso zu Beginn der 8. Folge wie ein leicht abgewandeltes Zitat aus Bertolt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“: „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ Mit diesem Satz endete jedes Mal eine ZDF-Sendung, die innerhalb von wenigen Jahren Kultstatus erlangt hat.

Es gibt nur eine Person, an die man sich bei diesen Worten sofort erinnert: Marcel Reich-Ranicki, Deutschlands wohl wortgewaltigster Literatur-Kritiker der letzten Jahrzehnte und besonders populär geworden durch das „Literarische Quartett“. Als ich die Sendung vor vielen Jahren zum ersten Mal sah, fiel mir sofort die „Titelmusik“ auf – erst viel später fand ich heraus, dass es sich um den letzten Satz des Streichquartetts C-Dur op. 59 Nr. 3 von Ludwig van Beethoven handelte – darum soll es in dieser Ausgabe gehen.

Die drei Quartette op. 59 waren 1806 auf Bestellung des russischen Gesandten in Wien entstanden. Graf Kirill Rasumowsky war ein Kunstsammler und Musikkenner ersten Ranges, dazu selbst ein begeisterter Violinspieler und einer der wichtigsten Mäzene und Verehrer Beethovens. Wer meint, Streichquartette seien langweilige Musik, bei der man vor allem gut einschlafen kann und die und allenfalls für die Generation 70+ attraktiv ist, klickt am besten jetzt weg. Wer jedoch bereit ist, sein Vorurteil zu überdenken und sich vom Quatuor Ebène, einem der zur Zeit weltbesten Streichquartette, mitreißen zu lassen, wird viel Freude am kommenden Link haben:

Beethovens „Rasumowsky“-Quartette op. 59 stießen zunächst bei den Hörern auf Unverständnis. Als „Flickwerk eines Wahnsinnigen“ wurden sie bezeichnet. Der Cellist Bernhard Romberg trat sein Notenblatt mit Füßen, andere sprachen von „verrückter Musik“ und der selbst so eng mit Beethoven arbeitende Geiger Ignaz Schuppanzigh hielt diese Musik anfangs für einen schlechten Scherz. Der ganze Zyklus wirkte auf das damalige Publikum sehr ungewöhnlich.

Beethoven probiert in diesen Quartetten ständig etwas Neues aus. Sie besitzen einen neuen, komplexeren Klang, die Sätze sind sehr individuell gestaltet. In seiner Musiksprache nimmt er keine Rücksicht auf die Zuhörer, die bis dahin starre Formen und konventionelle Klangfloskeln bei Streichquartetten gewöhnt waren. Kein Wunder, dass seine Zeitgenossen mit diesen drei Werken in ihrem Hörvermögen völlig überfordert waren.

Wenn Sie das Werk komplett erleben möchten und 30 Minuten Zeit haben, folgen Sie einfach dem folgenden Link.

Bleiben Sie gesund und seien Sie herzlich gegrüßt aus Braunschweig

Matthias Wengler

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