Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten-Folge 78

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde der Kirchenmusik,

bis heute gehört es zu den populärsten Musikstücken der Romantik: Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1 g-moll op. 26. Manchmal kann ein Stück allerdings auch zu beliebt sein – sehr zum Ärger beispielsweise von Max Bruch. Denn alle Welt interessiert(e) sich nur für dieses Werk, seine weiteren Violinkonzerte werden nur äußerst selten aufgeführt.

 

Ein melancholisches Konzert voller Sehnsucht und – je nach Gemütsverfassung des Hörers – auch voll Weltschmerz: Bruchs g-Moll-Konzert ist somit natürlich ein echtes Vorzeigestück der Romantik. Der Geiger Joseph Joachim, ein Freund von Johannes Brahms und einer der großen Musiker seiner Zeit, hat vor allem in den Ecksätzen die Solostimme virtuosengerecht bearbeitet. Bruch war in Sorge, man könne denken, an dem Werk könnten andere stärkeren Anteil haben als er selbst. So versuchte er so weit wie möglich, die komplizierte Entstehungsgeschichte geheim zu halten und unliebsame Briefwechsel darüber aus dem Verkehr zu ziehen. Besonders der dritte Satz lässt sehr den Einfluss Joseph Joachims spüren – ein ungarischer Tanz, der an die Heimat des Geigers erinnert: Budapest. Außerdem ist dieser Schlusssatz ein brillantes Bravourstück für den Virtuosen.
Schon bald nach der Uraufführung 1868 gab es Aufführungen des Konzertes in vielen Städten; die großen Geiger der Zeit spielten es gerne, darunter auch Ferdinand David in Leipzig. Das Werk war so oft zu hören, dass Bruch es schon verbieten lassen wollte. Es kränkte ihn, dass seine anderen Werke viel weniger Beachtung fanden. Und dann beging er auch noch einen fatalen strategischen Fehler. Er verkaufte die Rechte für 250 Taler an den Verleger August Cranz. So konnte er vom weiteren Erfolg des Werkes nicht mehr profitieren. Ein größeres Geschenk hätte er dem Verleger mit diesem populären Konzert nicht machen können…

Es fällt sehr schwer, sich für eine Konzertaufzeichnung zu entscheiden – ich wähle einmal mehr Joshua Bell, der hier als Solist und Dirigent in Personalunion dieses Werk 2015 mit dem Verbier Festival Chamber Orchestra aufführte:

https://www.youtube.com/watch?v=1h88cW8KuzI

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler

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