Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten-Folge 70

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
viel zu selten sind Deutschland große englische Chorwerke zu hören. Warum auch immer Mendelssohns „Elias“, Haydns „Schöpfung“ und Händels „Messias“ so leicht die Herzen der Zuhörer erobern, dies dagegen einem Stück wie Elgars „Dream of Gerontius“ nur selten gelingt, gehört für mich zu den großen Merkwürdigkeiten des Musiklebens. Ich versuche es heute trotzdem: Diese Newsletter-Ausgabe ist William Waltons „Belshazzar’s Feast“ gewidmet:

Es war Waltons erstes großes Chorwerk und geriet doch gleich zu einem Meisterstück: „Belshazzar’s Feast“ eroberte nach seiner umjubelten Premiere im Rahmen des Leeds Triennial Festival am 8. Oktober 1931 im Sturm die Herzen von Publikum und musikalischer Fachwelt und wird auf der Insel als die bedeutendste Chorkomposition seit Edward Elgars „Dream of Gerontius“ gepriesen. In der Tat versteht es Walton in seinem Oratorium für Bariton-Solo, (Doppel-)Chor und Orchester wie kein Zweiter, den Zuhörer durch maximale musikalische Intensität in den Bann zu ziehen – speziell durch eine äußerst plakative Tonsprache, die gleichermaßen Spannung, Aggressivität, Erschütterung als auch Ergriffenheit zu vermitteln vermag, sowie durch eine mitreißende, zum Teil marsch- und jazzartige Rhythmik.
William Walton wählt für sein 1930/31 entstandenes Opus eine mächtige Orchesterbesetzung mit gewaltigem Bläser- und Schlagwerkaufgebot. Dadurch wird ein atemberaubendes, ja stellenweise geradezu ekstatisches Klangspektrum entfaltet. Andererseits finden sich aber auch Passagen von ungewöhnlicher Kargheit oder Episoden für unbegleiteten Chor, in denen der stellenweise beißende und aggressive Textgehalt eine besonders nachdrückliche Gestaltung erfährt. Ursprünglich hatte die BBC 1929 bei Walton ein Werk für Chor und Orchester in Auftrag gegeben, das nur wenige Vokalisten und Musiker beschäftigen sollte – Walton erfüllte den Auftrag allerdings mit einer riesigen Kantate auf ein Sujet aus dem Alten Testament, das in die Zeiten Georg Friedrich Händels zurückweist.

Es ist eine der bekannteste Geschichten an den Flüssen Babylons: Während König Belsazar (Belshazzar) feiert, erscheint das berüchtigte „Menetekel“ an der Wand, von Geisterhand geschrieben, das den Fall des goldenen Königreiches ankündigt. Walton wollte die Geschichte aus Sicht der vielen einfachen Menschen, der Israeliten und der Babylonier, erzählen, ganz so wie sein Vorgänger Händel. Für die Volksmassen reichte der eigene Chor im August 2019 nicht aus: Sir Simon Rattle und das London Symphony Orchestra mussten zu den BBC Proms neben dem London Symphony Chorus auch noch junge und gestandene Stimmen aus Katalonien einladen. Der Eindruck war gewaltig.

Erleben Sie hier nun William Waltons Kantate für Bariton, Chor und Orchester „Belshazzar’s Feast“ mit Gerald Finley (Bariton), dem Orfeó Català Chor und Jugendchor, dem London Symphony Chorus, dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von Sir Simon Rattle:

https://www.youtube.com/watch?v=dLIJWE1RoEk

Ihnen allen ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler

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