Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten-Folge 67

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,effektvolle Klaviervirtuosität, einen genialen Mix aus russischer Romantik, Neoklassik und banaler Music-Hall-Melodik, mutige Experimente, Persiflage und Karikatur diverser musikalischer Richtungen – all das bietet auf gut 20 Minuten das erste Klavierkonzert von Dmitri Schostakowitsch, das ich Ihnen heute Ihnen empfehlen möchte. Der Finalsatz ist hier schon einmal mit Yuja Wang und dem Concertgebouworkest Amsterdam unter der Leitung von Mariss Jansons zu sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=ytAgkVueTNs

Schostakowitsch komponierte sein Klavierkonzert op. 35 im Sommer 1933, wenige Wochen, nachdem er die Arbeit an seiner Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ fertig gestellt hatte und nannte dieses Werk eine „spöttische Herausforderung an den konservativ-seriösen Charakter des klassischen Konzert-Gestus“. Gleich zu Beginn des Konzertes gibt es ein Zitat: Die ersten drei Töne aus Beethovens Sonate „Appassionata“. Schon hier zeigt sich die wichtigste Eigenschaft des Werkes: Es geht stets anders weiter, als man es erwarten würde. Schostakowitsch nimmt seine Zuhörer auf den Arm. „Wenn das Publikum bei der Aufführung meiner Werke lächelt oder direkt lacht, so bereitet mir das große Befriedigung“, äußerte der Komponist einmal. Es klingt fast wie ein Motto für dieses Konzert, Satire und Komik sind unüberhörbar.

Das Bauprinzip des Klavierkonzerts ist der ungewöhnliche Kontrast. Die Fülle musikalischer Gedanken und Einfälle fügt der Komponist zu einem bunten und faszinierenden Kaleidoskop. Er kokettiert mit einem Thema von Haydn, verbeugt sich kurz vor Beethoven, lässt Virtuosität à la Liszt aufblitzen, erweckt romantische Emotionen, die er sofort wieder aufs Korn nimmt. Trotz der Fülle so unterschiedlicher musikalischer Episoden wirkt das Konzert weder chaotisch noch überfrachtet. Der 26-jährige Schostakowitsch hält mühelos die Balance und zeigt dazu meisterhafte Beherrschung des Klaviers. Die Orchesterbesetzung ist ungewöhnlich – neben einer reinen Streicherbesetzung gibt es nur noch eine Trompete, die als zweites Soloinstrument fungiert.

Hier nun das ganze Werk aus dem Jahr 2014 mit Yuja Wang (Klavier), Omar Tomasoni (Trompete), Mariss Jansons und dem Concertgebouworkest Amsterdam:

https://www.youtube.com/watch?v=U5tAyEC3igQ

Wer vergleichen möchte: Hier noch eine weitere Empfehlung für dieses Werk. Im folgenden Link spielen Martha Argerich (Klavier). David Guerrier (Trompete) und das Verbier Festival Chamber Orchestra unter der Leitung von Gabor Takács-Nagy, aufgezeichnet im Jahr 2010:

https://www.youtube.com/watch?v=PysrplnzKTQ

Ihnen allen ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler

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