Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten-Folge 64

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

zu den letzten Opernbesuchen, die für mich vor dem Lockdown noch möglich waren, zählte Richard Strauss‘ Oper „Der Rosenkavalier“ in der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Inszeniert von André Heller, dirigiert von Zubin Mehta und besetzt mit einem erstklassigen Sängerensemble zählt dieser Besuch zu den echten Highlights meiner zahlreichen Konzertbesuche.

Heute möchte ich Ihnen wenigstens eine „Light“-Fassung des „Rosenkavaliers“ vorstellen. Nach dem kolossalen Erfolg der Oper richtete Strauss eine Orchestersuite ein, in der er einige der beliebtesten Melodien versammelte. Diese Suite wurde dann wiederum von vielen Arrangeuren und Dirigenten bearbeitet. Meine Auswahl fällt auf die Bearbeitung des aus Polen in die USA emigrierten Dirigenten Artur Rodzinski. Als Appetizer sehen Sie hier zunächst den mitreißenden Schluss dieser Suite, der Ausschnitt stammt aus einem der Young People’s Concerts, die Leonard Bernstein von 1958 bis 1972 mit dem New York Philharmonic realisierte:

Die 1910 vollendete Oper „Der Rosenkavalier“, eine „Komödie für Musik“, zählt ohne Zweifel zu den wichtigen Werken von Richard Strauss. Hugo von Hofmannsthal, der Dichter des dreiaktigen Werkes, verlegte die Handlung ins Wien des 18. Jahrhunderts, genauer: in die Zeit der Kaiserin Maria Theresia. Die Musik aber ist von der Heiterkeit und Grazie des Wiener Walzers inspiriert, dessen berühmteste Werke beinahe einhundert Jahre später entstanden. Sowohl die männliche Titelrolle (Octavian) als auch die weibliche Hauptfigur werden von Sopranistinnen gesungen.

Die emotionale Wucht des „Rosenkavalier“, diese Geschichte einer zukunftslosen Liebe der alternden Feldmarschallin Fürstin Werdenberg zum jungen Octavian, inspirierte Strauss zu einer geradezu rauschhaften Musik voll schillernder Klangfarben und Steigerungen.

Artur Rodzinski brachte seine „Rosenkavalier“-Suite am 5. Oktober 1944 in New York zur Uraufführung, die Erlaubnis zur Publikation von dem bei dieser Bearbeitung unbeteiligten Richard Strauss erhielt er allerdings erst 1945. In Rodzinskis „Rosenkavalier“-Suite werden die Figuren und die Handlung in einer Art instrumentaler Zusammenfassung auf der Konzertbühne abgebildet. Die Suite beginnt wie die Oper mit der Einleitung und der Liebesszene zwischen der Marschallin und Octavian. Darauf folgt sogleich der Höhepunkt in Gestalt der Überreichung der silbernen Rose von Octavian an die neue Geliebte Sophie. Der dritte Satz ist „Die Intrige“ überschrieben und im vierten hat der derbe Baron Ochs auf Lerchenau seinen polternden Auftritt. Wäre die Suite im Ablauf wirklich ein getreues Abbild der Oper, dann müsste sie eigentlich mit dem berühmten Terzett und Schlussduett enden. Im Gegensatz zur Oper aber schließt sich in der Suite noch ein weiterer, sehr effektvoller Walzer an.

Zwei Aufführungen der kompletten, etwa 20-minütigen Suite stelle ich Ihnen gerne zum Abschluss vor. Mariss Jansons hat dieses Stück oft mit seinen Orchestern musiziert, oftmals auch als Zugabe in Ausschnitten. Hier ist die komplette Suite mit dem Concertgebouworkest Amsterdam zu sehen:

Im vergangenen Jahr musste Mariss Jansons krankheitsbedingt bereits viele Konzerte absagen – dazu gehörte auch das Konzert des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks bei den BBC Proms – für Mariss Jansons sprang Yannick Nézet-Séguin, Musikdirektor der Metropolitan Opera New York, ein. Es lohnt sich, hier auch noch die Zugabe – Jean Sibelius „Valse triste“, ebenfalls ein Lieblingsstück von Mariss Jansons – anzusehen:

Ihnen allen ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler

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