Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten-Folge 60

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde der Kirchenmusik,

der folgende Film ist Schuld an einer der größten Pianistenkarrieren der vergangenen Jahre:

https://www.youtube.com/watch?v=QpEfHVFilRc

Starpianist Lang Lang kam durch Zeichentrickfilme zur klassischen Musik. Als kleiner Junge habe er auf diese Art zum ersten Mal Franz Liszt gehört, sagte er nun dem Magazin Rolling Stone: „Ich sah im Fernsehen eine Episode von „Tom & Jerry“, in der die Katze Franz Liszts Ungarische Rhapsodie Nr. 2 spielt – und natürlich von der Maus geärgert wird“, so der Pianist im Interview. Die Erfahrung habe sein Interesse für klassische Klaviermusik geweckt.

Heute bezeichnet Lang Lang den 1811 geborenen Franz Liszt als seinen Lieblingskomponisten. „Er war nicht einfach ein klassischer Pianist, sondern eine Art Rock’n’Roll-Star seiner Zeit. Es gibt viele Geschichten darüber, wie die Leute in seinen Konzerten fast durchgedreht sind.“ Lang Lang ist selbst für seine ausgefallenen Auftritte bekannt. Liszts Rhapsodie habe er als Junge auch noch in weiteren Kinderserien gehört, unter anderem in der Reihe „Looney Tunes“.  „Bugs Bunny spielt sie dort mithilfe seiner Ohren“, erzählt Lang Lang. „Ich selbst benutze heute höchstens mal meine Nase.“:
Dass Franz Liszt „kein stiller Klavierspieler für ruhige Staatsbürger und gemütliche Schlafmützen“ sei, hat schon Heinrich Heine mit spitzer Feder bemerkt. In seinen Ungarischen Rhapsodien setzte der Ungar Liszt dem Freiheitsdrang seines von Österreich unterdrückten Volkes ein brodelndes Denkmal. Gerade die Ungarische Rhapsodie Nr. 2 cis-Moll war für ihn weit mehr als nur bearbeitete Folklore: Sie war eine Parteinahme für die ungarische Republik von 1848, die im Folgejahr von den Österreichern mithilfe der russischen Armee brutal unterdrückt worden war. In der Hinrichtung ihres Premierministers und der führenden Generäle fand die Utopie von einem freien, selbstbestimmten Ungarn ein blutiges Ende. Dieses schreiende Unrecht klagte Liszt mit seiner Musik an. Wie die Zigeuner Ungarns verstand er sich als Heimatloser, zugleich aber auch als Europäer, der sich einmischte, kritisch kommentierte und zugleich Neues bewegte und aufbaute: „Dass ein so unruhiger Kopf, der von allen Nöten und Doktrinen der Zeit in die Wirre getrieben wird, der das Bedürfnis fühlt, sich um alle Bedürfnisse der Menschheit zu bekümmern, und gern die Nase in alle Töpfe steckt, worin der liebe Gott die Zukunft kocht: dass Franz Liszt kein stiller Klavierspieler für ruhige Staatsbürger und gemütliche Schlafmützen sein kann, das versteht sich von selbst.“ (Heinrich Heine)

Die Ungarische Rhapsodie Nr. 2 ist wie ein Csárdás aufgebaut: Auf den langsamen ersten Teil, einem so genannten „Lassan“, folgt der lebhafte zweite Teil, eine typische „Friska“, wie sie jeden Csárdás beendet. Die Trauermelodie des Anfangs wirkt wie eine Totenklage auf die Gefallenen von 1849, der schnelle Teil mit seinen brillanten Effekten dagegen wie eine Apotheose. Hier muss der Pianist die gefährlichsten Klippen meistern – von Doppeloktaven im dreifachen Forte über eine Kadenz bis hin zu Martellato-Oktaven beider Hände im abschließenden Presto. Hier also die Folgen, die ein Zeichentrickfilm auslösen kann: Lang Lang bei der Arbeit beobachtet (zu sehen bei den BBC Proms 2008):

https://www.youtube.com/watch?v=Su2lLZRMQ9w

Wenn Sie das Stück lieber als Orchesterfassung erleben möchten: Ein Ausschnitt aus dem Silvesterkonzert 1978 der Berliner Philharmoniker mit Herbert von Karajan macht’s möglich:

Die wohl seltene Kombination von Trickfilm und Musik wird hier möglich: Die heute 19-jährige Pianistin Yannie Tan spielte 2017 live zum Zeichentrickfilm von „Tom und Jerry“ Liszts Ungarische Rhapsodie. Das Konzert fand im Rahmen eines Pops-Concerts in der Peachtree Presbyterian Church in Atlanta statt:

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus dem Urlaub
Matthias Wengler

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen