Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten – Folge 58

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
der Opernspielplan ist an vielen Theatern manchmal schon kurios. Die beliebteste Oper im Dezember ist auf vielen Bühnen immer noch Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“, obwohl im gesamten Märchen nicht eine einzige Schneeflocke fällt. Und die Oper, in der man sich wahre Schneeballschlachten liefern könnte (die Handlung spielt in den ersten beiden Akten am Heiligen Abend), ist auch in den wärmsten Sommermonaten immer wieder zu erleben.

Puccinis „La Bohème“ gehört zu Recht zu den beliebtesten Opern – und auf den 1. Akt, in dem sich Mimi und Rodolfo erstmals begegnen und sofort ineinander verlieben, möchte ich mich heute konzentrieren. Vor rund 15 Jahren waren Anna Netrebko und Rolando Villazon das Traumpaar der Oper – mit dem Schlussduett „O soave fanciulla“ aus dem 1. Akt waren sie 2006 in der Berliner Waldbühne zu erleben, Marco Armiliato dirigierte das Orchester der Deutschen Oper Berlin:

Mit großem Aufwand wurde „La Bohème“ 2008 in den Wiener Rosenhügel Studios verfilmt. Dass Anna Netrebko und Rolando Villazon beide nicht aus der Filmwelt kommen, hat der Regisseur Robert Dornhelm nach eigenen Angaben „gar nicht gemerkt. Es ist wirklich eine positive Überraschung gewesen“, so der Regisseur über die schauspielerische Leistung der Opernstars. Für die Produktion griff Dornhelm auf die Konzertaufzeichnung von „La Boheme“ aus dem Jahr 2007 in der Münchner Philharmonie zurück. Es spielte das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Bertrand Billy.

Wenn Sie Zeit und Muße haben, empfehle ich Ihnen gerne einen etwas längeren Auszug aus dem 1. Akt. Es ist die erste Begegnung zwischen Mimi und Rodolfo – und hält neben dem bereits erwähnten Schlussduett zwei der schönsten Soloarien der gesamten Operngeschichte parat. Hier kurz der Inhalt des folgenden Ausschnitts: Paris, 1830, Heiliger Abend in einer kleinen ärmlichen Mansarde des Dichters Rodolfo und des Malers Marcello. Marcello ist gerade mit Freunden zum Weihnachtsessen ins Quartier Latin aufgebrochen. Rodolfo will noch einige Zeilen schreiben. Es klopft an der Tür, seine Nachbarin Mimi bittet um ein Streichholz, um ihre Kerze anzuzünden. Beide erzählen voneinander, verlieben sich und verlassen am Ende der Szene die kleine Mansarde, um ihren Freunden zu folgen.
Und wer einfach nur so die Musik genießen möchte: Auch ohne Bühnenbild funktioniert dieser Auszug aus dem 1. Akt – nicht selten steht er im Rahmen einer Operngala auf dem Programm. So auch 2015 im Teatro La Fenice in Venedig mit Matthew Polenzani, Maria Agresta und dem Dirigenten Daniel Harding, der als Assistent von Claudio Abbado einmal für seinen Mentor einspringen musste und auf diese Weise bei den Berliner Philharmonikern debütierte – im Alter von 19 Jahren. Heute ist er regelmäßig als Gastdirigent bei diesem Orchester anzutreffen. Hier also noch einmal „Che gelida manina“, „Sì, mi chiamano Mimì“ und “ O soave fanciulla“.
Ihnen allen ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus dem Urlaub
Matthias Wengler

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