Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten-Folge 57

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
zu den Sängern, die mich schon seit vielen Jahren begeistern, gehört der englische Tenor Ian Bostridge. Mein erstes Konzert mit ihm war für mich ein unvergesslicher Abend: Schuberts „Winterreise“ mit dem Pianisten Leif Ove Andsnes im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie. Mittlerweile habe ich drei weitere „Winterreisen“ und verschiedene Konzertprogramme mit ihm erlebt und gestehe aus vollem Herzen: Diese Stimme macht mich süchtig – besonders für die Werke von Benjamin Britten ist er mich der ideale Interpret.

Ich habe allerdings auch selten einen Sänger erlebt, der so kontrovers von Musikkritikern beurteilt wurde. Mehrfach habe ich besonders in der Hamburger Presse  Rezensionen gelesen, die nicht mehr fachlich fundiert, sondern schlichtweg nur unverschämt waren, zum Teil auch unter der Gürtellinie. Dass Bostridge mit seinen oftmals eigenwilligen Interpretationen das Publikum herausfordert, soll hier gar nicht verschwiegen werden – nach seinen Konzerten bin zumindest ich immer begeistert und aufgewühlt aus dem Konzertsaal gegangen. Bostridges Repertoire reicht von italienischer Renaissance (Monteverdi), Barock (Bach, Händel), Mozart, Schubert-, Schumann-, Wolf-Liedern, englischen Liedkomponisten, Janacek, Strawinsky bis zu Britten und Henze.

So vielseitig wie sein Repertoire fällt auch die heutige Ausgabe des Newsletters aus, für die ich ein paar Konzertausschnitte mit Ian Bostridge ausgewählt habe – zunächst die Arie des Don Ottavio „Dalla sua pace“ aus Mozarts „Don Giovanni“. Sir Roger Norrington dirigiert das Scottish Chamber Orchestra, aufgezeichnet bei den BBC Proms im Juli 2006:

Ein Jahr später mit dem Duett „Happy We“ aus Händels „Acis and Galatea“: Ian Bostridge und Kate Royal traten bei einer „Handel Celebration“ 2007 gemeinsam mit dem Freiburger Barockorchester und dem Orchestra of the Age of Enlightenment unter der Leitung von Harry Bicket bei den BBC Proms auf:
Eines der bekanntesten Schubert-Lieder ist „Sei mir gegrüßt“, Ian Bostridge wird hier von Julius Drake begleitet:
Für Anfang Oktober war eigentlich ein Schumann-Liederabend in meinem Konzertkalender vorgesehen. Der wird nun auf das kommende Jahr verschoben, auch wenn die ersten Proben schon begonnen haben. Neben dem Eichendorff-Liederkreis op. 39 werden auch die Kerner-Lieder op. 35 zu hören sein, deren Höhepunkt sicherlich das zehnte Lied „Stille Tränen“ ist. Ich habe es tagelang nicht mehr aus dem Kopf bekommen, nachdem ich es zum ersten Mal gehört habe – hier noch einmal Ian Bostridge und Julius Drake:

Ein etwas längerer Ausschnitt zeigt Ian Bostridge mit Saskia Giorgini beim Eröffnungskonzert des Internationalen Kammermusikfestivals in Utrecht mit je zwei Liedern von Johannes Brahms (Sommerabend op. 85 Nr. 1 und Mondenschein op. 85 Nr. 2) und Robert Schumann (Meerfahrt, op. 96 Nr. 4 und Der Tod, das ist die kühle Nacht op. 96 Nr. 1)

 

Und zum Abschluss des heutigen Newsletters: Ein Ausschnitt aus Haydns großartigem Oratorium „Die Schöpfung“: Die Arie des Uriel „Mit Würd und Hoheit angetan“ – Ian Bostridge wird begleitet vom London Symphony Orchestra unter der Leitung von Sir Colin Davis:
Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus dem Urlaub
Matthias Wengler

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