Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten – Folge 50

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

die heutige 50. Ausgabe habe ich für ein besonderes Stück reserviert: Johann Sebastian Bachs Passacaglia und Fuge c-Moll BWV 582. Über dieses Stück ist soviel geschrieben worden, dass ein Newsletter gar nicht ausreichen kann, um dem Werk gerecht zu werden – hier nur die wichtigsten Infos:

Das Werk stammt aus Bachs Weimarer Zeit, die von 1708 bis 1717 seine erste große Schaffensphase markierte. In Weimar beschäftigte er sich erstmals intensiv mit der Konzert-Gattung.Vor allem an der von Ludwig Compenius gebauten Orgel in der Schlosskirche setzte er all seine kühnen Ideen in die Praxis um.

Die Passacaglia basiert auf dem „Christe eleison“ aus einer Messe von André Raison (1650–1719), der hierfür seinerseits auf einen gregorianischen Choral zurückgegriffen hatte. Dieses achttaktige Thema, das zunächst im Pedal vorgestellt wird, reflektiert Bach in nicht weniger als 21 Variationen von hochvirtuos bis innig kantabel in einem ständigen Wechsel zwischen Ein-, Zwei- und Dreistimmigkeit. Der Variationsreigen gipfelt in fünfstimmiger Monumentalität – bevor sich nahtlos eine Doppelfuge anschließt, die nicht nur spieltechnisch, sondern auch intellektuell eine ganz besondere Herausforderung darstellt.

Für Bach war die Passacaglia gleichsam ein sinnbildliches Glaubensbekenntnis zu Gott. Ihr stets wiederkehrendes Thema symbolisierte für ihn Gott als Kern allen Seins, aus dem sich der gesamte Kosmos entwickelt.

Zu meiner großen Freude kann ich Ihnen heute einen besonderen Organisten ankündigen: Einer meiner wunderbaren Lehrer im Kirchenmusikstudium war Johannes Geffert. Nach Studien in Köln (Michael Schneider) und England (bei Nicolas Kynaston) wurde er 1974 Organist der Annakirche und Leiter des Bachvereins in Aachen (Gründung der Aachener Bachtage). 1980-1997 führte er das musikalische Erbe seines Vaters als Kirchenmusikdirektor an der Bonner Kreuzkirche fort. Langjährig wirkte er als Dozent an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf und von 1997-2015 als Professor und Leiter der Abteilung Evangelische Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Bachs monumentales Orgelwerk hat er 2018 im Kölner Dom musiziert:

https://www.youtube.com/watch?v=EQwg-a96Efs

Wenn Sie vergleichen mögen: Einen ganz anderen Weg zu diesem Stück findet Cameron Carpenter an seiner International Touring Organ:

https://www.youtube.com/watch?v=4UxIcKJyZZE

Und wem die Orgel noch nicht genug ist: Leopold Stokowski hat unter seinen zahlreichen Bach-Transkriptionen für Orchester auch dieses Werk bearbeitet. Andrew Litton dirigiert im folgenden Konzertmitschnitt das Royal Philharmonic Orchestra, aufgenommen während der Proms 2010 in der Londoner Royal Albert Hall:

https://www.youtube.com/watch?v=ChqQFyGmit4

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler

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