Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten – Folge 49

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

ein Werk, das ich sehr liebe und selber schon oft spielen und dirigieren durfte, ist das Konzert für Orgel, Streicher und Pauken g-Moll von Francis Poulenc.

„Es mag sein, dass nicht alle Musiker an Gott glauben; an Bach jedoch alle“, so lautet ein berühmt gewordenes Zitat des Komponisten Mauricio Kagel. Für Francis Poulenc trat der Glauben erst spät ins Leben. 1936 wandte sich der fast vierzigjährige französische Pianist und Komponist aufgrund schicksalhafter Erfahrungen dem katholischen Glauben zu; anschließend schuf er zahlreiche geistliche Werke und thematisierte christliche Themen auch in seinen Bühnenwerken, etwa der Oper „Dialogues des Carmélites“ (1957), die als eines der wichtigsten Musiktheater-Werke des 20. Jahrhunderts gilt.

Sein Konzert für Orgel, Streichorchester und Pauken g-Moll, Poulencs einziges Werk für dieses Instrument, entstand 1938 auf Wunsch einer Mäzenin. In einer Zeit, da es kaum mehr üblich war, ein Solokonzert für Orgel vorzulegen, stellt das Werk mit seiner ungewöhnlichen Besetzung eine Hommage an Johann Sebastian Bach dar. Im Gegensatz zu den Orgelkompositionen des Barockmeisters schrieb Poulenc freilich eine Großorgel vor, mit der sich beeindruckende Klangeffekte erzielen lassen.

Das von Maurice Duruflé uraufgeführte Konzert gehört heute zu den meistgespielten Werken Poulencs. Sieben abwechselnd langsame und schnelle Partien sind in einem sehr freien und rhapsodischen Stil gehalten. Poulencs Konzert bedarf keiner analytischen Erklärung, um es genießen zu können, trotzdem ist es formal sehr interessant: Obwohl einsätzig konzipiert, ist die Struktur des Werks sehr abwechslungsreich, langsame und schnelle Abschnitte lösen einander ab. Genau genommen erinnert die siebensätzige Anlage an das Bauprinzip eines siebenarmigen Leuchters.

Musikalische Vorlage für Poulencs Orgelkonzert könnte Bachs Präludium und Fuge g-Moll BWV 542 gewesen sein – wenn Sie den Beginn von beiden Stücken vergleichen, sind Ähnlichkeiten unüberhörbar. Hier zunächst das Bach-Werk, gespielt von Leo van Doeselaar im Oktober 2013 an der Arp-Schnitger-Orgel in Groningen:

https://www.youtube.com/watch?v=tgDE3klkmtQ

Und hier nun Poulencs Orgelkonzert – Solistin ist die seit vielen Jahren erfolgreiche lettische Konzertorganistin Iveta Apkalna. 2007 debütierte sie mit den Berliner Philharmonikern unter Leitung von Claudio Abbado und tritt seitdem auf der ganzen Welt auf (so auch 2012 im Rahmen der Internationalen Orgelwochen im Kaiserdom in Königslutter). Als Titularorganistin der neuen Klais-Orgel in der Hamburger Elbphilharmonie eröffnete sie das neue Konzerthaus 2017 mit Uraufführungen von Werken Wolfgang Rihms. Im folgenden Link ist sie mit dem hr-Sinfonieochester unter der Leitung von Andris Oroczo-Estrada zu erleben:

https://www.youtube.com/watch?v=HsFsBNAmCd0

Ihnen und Euch allen ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig

Matthias Wengler

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