Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten-Folge 45

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
für Folge 39 hatte ich vor zwei Wochen Richard Strauß‘ sinfonische Dichtung „Aus Italien“ ausgewählt. Daran thematisch anknüpfend möchte ich Ihnen heute einen Komponisten vorstellen, der seine Wahlheimat Rom gleich in mehreren Werken in monumentale Klangbilder verwandelt hat. Gegen das Finale aus Ottorino Respighis „Pini di Roma“ (Die Pinien von Rom) ist Verdis berühmter Triumphmarsch aus der Oper „Aida“ beinahe ein läppisches Stück – zu sehen im folgenden Link mit Georges Prêtre und dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart:

„Pini di Roma“ ist Ottorino Respighis bekannteste sinfonische Dichtung und entstand 1924. Respighi war ein angesehener italienischer Komponist, der Opern, Ballette und Instrumentalmusik schuf, der aber stets ein wenig darunter litt, dass er zwar uneingeschränkt als meisterhafter Orchestrator und Instrumentator geschätzt wurde, seine Kompositionen aber nicht jene größere Popularität erreichten, die ihnen zustehen sollte.
Die sinfonischen Dichtungen seiner „Römischen Trilogie“, die sich mit den Brunnen, Pinien und Festlichkeiten seiner Wahlheimat Rom beschäftigen, wurden jedoch weltbekannt und haben seinen Namen unsterblich gemacht. In „Pini di Roma“ beschreibt Respighi vier Orte der Ewigen Stadt – und zwar vor verschiedenem historischem Hintergrund: Unter den Pinien der Villa Borghese spielen Kinder; aus einer Katakombe dringt ein feierlicher Hymnus; auf dem Janiculum wiegen die Pinien in klarer Vollmondnacht ihre Wipfel und in den Zweigen singt eine Nachtigall; aus dem Morgennebel an der Via Appia schließlich ist der Rhythmus zahlloser Schritte zu hören: ein Konsul naht mit seinem Heer, um im Triumph aufs Kapitol zu ziehen.

Respighi zeichnet diese Pinienbäume so detailreich nach, als wolle er mit dem Orchester und seinen Klangfarben Fotografien, zumindest aber extrem realistische Abbilder schaffen. Respighis Realismus geht so weit, dass auch die Vögel in den Pinien bei seinem Klangbild zu hören sind. In den Pinien auf dem Hügel Ianiculum, der sich von Trastecere das Tiberufer entlang bis zum Vatikan erstreckt, singt eine Nachtigall. Respighi, der diese Nachtigall im dem dritten Satz „I pini del Gianicolo“ möglichst echt hören wollte, verlangte, dass ihr Gesang von Schallplatte Nr. 6105 der Deutschen Grammophon für eine Aufführung des Stücks eingesetzt werde. So ist diese Schallplatte mit dem Titel „Il canto dell’usignolo“ Teil der Besetzung in der Partitur.
Mich hat dieses Werk immer wieder begeistert, live zuletzt allerdings schon im Juni 2001 in der Braunschweiger Stadthalle mit der NDR-Radiophilharmonie unter der Leitung von Eiji Oue. Kein Wunder, denn man benötigt zu dem ohnehin groß besetzten Orchester (inkl. Konzertflügel und Orgel) zusätzliche Blechbläser, die im Schlusssatz oftmals in den Zuschauerrängen platziert sind.
Vielleicht haben Sie an diesem 20-minütigen Klangbad genauso viel Spaß wie ich, hier musiziert das Orquesta Sinfonica de Galicia unter der Leitung seines jungen Chefdirigenten Dima Slobodeniouk, der vor zwei Jahren auch schon bei den Berliner Philharmonikern debütierte:
https://www.youtube.com/watch?v=zBFSI-x2ETY

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen