Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten-Folge 43

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
wenn ein Musiker heiratet, kann es schon einmal zu einem musikalischen Hochzeitsgeschenk kommen. Und wenn sich unter den Hochzeitsgästen auch noch ein Komponist befindet, haben noch Jahrhunderte später Millionen von Menschen Freude an diesem Geschenk – so geschehen anlässlich der Hochzeit des Violinvirtuosen Eugène Ysaye. Zu diesem Anlass schrieb César Franck 1886 seine einzige Violinsonate, Ysaye spielte sie fast prima vista („vom Blatt“) an seiner Hochzeitsfeier.

Die öffentliche Uraufführung fand später in einem Pariser Museum in einem Nachmittagskonzert statt. Ysaye etablierte diese Sonate in den nächsten vierzig Jahren in den Konzertsälen. Franck war wie seine Zeitgenossen Brahms und Bruckner ein virtuoser Pianist bzw. Organist und hatte sehr große Hände. Entsprechend ist das Stück von den Pianisten gefürchtet, weil es eine große Spannweite und Fertigkeit der Finger verlangt, besonders im zweiten Satz.
Kein Jahr darf vergehen, in dem ich nicht mindestens einmal dieses großartige Werk gehört habe – egal, ob in der Originalfassung oder auch in der von César Franck autorisierten Fassung für Violoncello. Entscheiden Sie selbst – sie können wählen zwischen Anne-Sophie Mutter und Lambert Orkis (1989 in der Suntory Hall in Tokio)…
… und Gautier Capucon und Yuja Wang (2020 in der Pariser Philharmonie):
Wenn Sie sich für den zweiten Link entscheiden, erwarten Sie auch noch zwei tolle Zugaben:

Astor Piazzollas „Le Grand Tango“ für Violoncello und Klavier ist dem großen russischen Cellisten Mstislav Rostropovich gewidmet, der das Stück 1982 auch uraufführte. In der großangelegten Komposition verknüpft Piazzolla meisterhaft Elemente des Tango und der klassischen Musik. Das Werk ist ein Paradebeispiel dafür, wie der Großmeister des „Tango nuevo“ aus einer oft als gering geschätzten Musik eine große zeitgenössische Kunstform machte, angereichert mit klassischer Harmonik, Einflüssen des Jazz und der neuen Musik. Piazzollas Tango klingt kantig, er elektrisiert und hat dazu eine gehörige Portion Humor. Gautier Capucon und Yuja Wang stürzen sich hinein in diese aufregende Klangwelt des „Grand Tango“ und entfachen sein Feuer mit unerbittlicher instrumentaler Motorik und Präzision.

Und wem das alles zu viel Energie verschafft, kann sich beim „Schwan“ aus Camille Saint-Saëns „Der Karneval der Tiere“ wieder entladen und entspannt das Wochenende genießen.
Ihnen und Euch allen herzliche Grüße aus Braunschweig
Matthias Wengler

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