Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten-Folge 39

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde der Kirchenmusik,
unser heutiges Thema ist ein unangenehmes: Urheberrecht. Zu allen Zeiten stand (und steht) bei Komponisten immer wieder einmal die Frage im Raum, wer von wem abgeschrieben hat. Unsere heutigen Streitgegner: Luigi Danza und Richard Strauss.

Kennen Sie ein Lied über eine Seilbahn? Ich wette, ja – jedoch vielleicht, ohne es zu wissen. Innerhalb von wenigen Stunden schrieben der Komponist Luigi Danza und der Journalist Peppino Turco 1880 das Lied „Funiculi, Funicula“, um damit die Eröffnung der Seilbahn auf dem Vesuv zu feiern. Übersetzt heißt der Titel in etwa „Seilbahn hier, Seilbahn da“, sehr schnell wurde er weltberühmt. Falls Sie ihn nicht kennen: 1994 kamen im Dodger’s Stadium in Los Angeles auch die drei Tenöre nicht um diesen Titel herum:

In der Regel hält man dieses Lied für ein neapolitanisches Volkslied – für Richard Strauss sollte sich das als folgenschwerer Irrtum erweisen. Als der Komponist 1886 mit zweiundzwanzig Jahren auf seine erste Italienreise ging, besuchte er als Bildungsbürger des 19. Jahrhunderts natürlich vor allem Rom und Neapel; die Eindrücke dieser Reise verwandelte er in eine sinfonische Fantasie, die viel zu selten im Konzertsaal zu hören ist. „Aus Italien“ war die erste Sinfonische Dichtung von Richard Strauss, „Till Eulenspiegels lustige Streiche“, „Don Juan“ und „Also sprach Zarathustra“ folgten erst später. Diese sei kein klingender Reiseführer, betonte der Komponist, sondern bestünde aus „Empfindungen beim Anblick der herrlichen Naturschönheiten Roms und Neapels, nicht in Beschreibung derselben“.

Strauss zeigt darin schon viel persönliche Eigenheit, besonders in der vollkommenen und raffinierten Beherrschung des Orchesters. Im abschließenden Satz „Neapolitanisches Volksleben“ zitiert er ausführlich „Funiculi Funicula“. Für die Verwendung des Seilbahn-Schlagers, den er für ein neapolitanisches Volkslied gehalten hatte, musste er nach einem Rechtsstreit Tantiemen an Luigi Denza zahlen. Die Kosten dürfte er jedoch um ein Vielfaches mit seinen späteren Werken ausgeglichen haben. Strauss‘ Bearbeitung dieses Titels sorgt jedoch zu Recht immer für Begeisterungsstürme im Publikum – so wie hier in der Alten Oper Frankfurt, in der Riccardo Muti mit dem Philadelphia Orchestra 1987 gastierte:
Ihnen und Euch allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler

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