Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten-Folge 34

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde der Kirchenmusik,
hin und wieder soll in dieser Reihe der große Jubilar des Jahres vorkommen: Ludwig van Beethoven. Heute möchte ich Ihnen zwei Werke vorstellen, von denen ich lange nicht wusste, um welche Stücke es sich handelte – dazu mehr am Ende dieser Mail.

Beginnen soll die heutige Ausgabe mit der „Coriolan“-Ouvertüre, ich habe einen Mitschnitt mit Carlos Kleiber gewählt.  Es würde den Rahmen sprengen, diesen genialen Dirigenten näher vorzustellen. In Kürze: Berühmt und berüchtigt war er durch seine kurzfristigen Absagen, Interviews gab er keine. Von ihm ist der Ausspruch überliefert, er dirigiere nur, „wenn der Kühlschrank leer ist“. Neben Höchstgagen, die er verlangte und bekam, durfte die Auszahlung manchmal auch auf ungewöhnliche Weise erfolgen: Für ein Konzert in Ingolstadt erhielt er 1996 von Audi den neuen A 8 3.7 Quattro mit 20 Extras.

„Ich hasse jedes Menschenantlitz, bin mir selbst ein Rätsel“, gesteht der Feldherr Coriolan in Heinrich von Collins Trauerspiel. Der erfolgsverwöhnte römische Krieger fühlt sich von seinem Volk gekränkt und verbündet sich mit den Feinden Roms. An ihrer Spitze will er nun gegen seine Landsleute kämpfen. Doch beim Marsch auf die Heimatstadt befallen ihn Zweifel. Seine Mutter, die als Bittstellerin für Rom auftritt, nötigt ihm schließlich den Frieden ab. Coriolan zerbricht an sich selbst: an seiner Unüberlegtheit und Untreue. Verzweifelt stürzt er sich ins Schwert.

Wie das Scheitern klingt, führt Beethoven in seiner 1807 entstandenen „Coriolan“-Ouvertüre vor; hier zunächst also die „Coriolan“-Ouvertüre mit Carlos Kleiber und dem Bayerischen Staatsorchester aus dem Jahr 1996:

Das zweite Stück der heutigen Ausgabe ist die „Egmont“-Ouvertüre. 1809 trat der Direktor des Wiener Burgtheaters Joseph Hartl mit der Bitte an Beethoven heran, eine komplette Schauspielmusik zu Goethes fünfaktigem Trauerspiel „Egmont“ zu komponieren, das erstmals 1778 im Burgtheater aufgeführt worden war. Es spielt im 16. Jahrhundert und handelt vom Konflikt zwischen dem flandrischen Grafen Egmont und Herzog Alba, dem skrupellosen Repräsentanten der spanischen Fremdherrschaft in den Niederlanden. Den Einsatz für die Unabhängigkeit seines Volkes muss der geradlinige Egmont am Ende mit dem Tod bezahlen.

9. Oktober 1989 in Leipzig: Der damalige Gewandhauskapellmeister Kurt Masur verlas an diesem Tag über den Stadtfunk einen Aufruf gegen Gewalt, den Vertreter der DDR-Staatsführung und der Opposition gemeinsam formuliert hatten. Die Montagsdemonstration am selben Abend verlief ohne Ausschreitungen, der Tag wird heute als ein Wendepunkt hin zur friedlichen Revolution angesehen, die im November zur Öffnung der Grenzen und dem Fall der Berliner Mauer führte. 20 Jahre später fand in der Leipziger Nikolaikirche ein Gedenkkonzert statt, Kurt Masur und das Gewandhausorchester Leipzig spielten Beethovens „Egmont“-Ouvertüre:

https://www.youtube.com/watch?v=ChcrZX2rZ1M

Kennengelernt habe ich beide Werke in einem ganz anderen Zusammenhang durch den folgenden Konzertausschnitt – und erst viele Jahre später habe ich herausgefunden, dass hier diese beiden Beethoven-Ouvertüren in einem Stück zusammengefasst waren. Für das Kanzlerfest am 6. Oktober 1979 hatten die Berliner Philharmoniker einen ungewöhnlichen Gastdirigenten eingeladen: Loriot. Er selbst bezeichnete die Zusammenarbeit mit diesem Orchester als einen der Höhepunkte seines Lebens. Als Klaviertransporteur schrieb er mit seinem Auftritt Orchestergeschichte – diesen Auftritt können Sie im folgenden Link erleben:
Ihnen und Euch allen ein schönes Wochenende mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler

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