Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten-Folge 33

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
Schubladendenken gab und gibt es immer wieder – besonders aber noch bis zu Beginn der 1990er Jahre im Bereich der Klassischen Musik. Ein Dirigent hatte ernst, streng und seriös zu sein, Humor war oftmals ein Fremdwort, der Frack war Berufskleidung und es galt bereits als anrüchig, sich auch für Operette zu begeistern – Musicals, Film- oder Popmusik waren Todesurteile im Ansehen konservativer Musikliebhaber, „Crossover“ war damals nicht einmal ein Fremdwort, es existierte schlichtweg noch nicht.

Vielleicht hat sich deshalb ein Bild bei mir so stark eingeprägt: Ausgerechnet einer der prominentesten Vertreter der Klassik hat dieses Klischee schon damals gestört: Herbert von Karajan war nicht nur einer der einflussreichsten und kommerziell erfolgreichsten Dirigenten der Welt, seine Plattenverkäufe gingen in Millionenhöhe. Privat trug er jedoch gerne Jeans, im Alter sogar nur noch Trainingshose und begeisterte sich für das Fliegen und (sehr schnelle) Autos.
Auch wenn Herbert von Karajan das folgende Stück niemals aufgeführt hätte, so passt es doch sehr gut zu ihm; das Stück, das ich heute für Sie ausgewählt habe ist John Adams‘ „Short ride in a fast machine“: Es ist ein kurzes Bravourstück für großes Orchester, 1986 uraufgeführt vom Pittsburgh Symphony Orchestra unter Leitung von Michael Tilson Thomas, und zählt zu den bekanntesten Werken des Minimalismus. John Adams’ Assoziation zu seiner Komposition: „Weißt du, wie es ist, wenn dich jemand bittet, in einem tollen Sportwagen mitzufahren, und du dann wünschst, es besser nicht getan zu haben?“
In dem Dokumentarfilm „Karajan in Salzburg“ (1987) sieht man den Dirigenten, der damals schon 79 Jahre alt war, am Lenkrad eines neu gebauten Porsche bei einer Probefahrt mit Höchstgeschwindigkeit durchs Salzburger Land fahren. Die Kamera war auf dem Beifahrersitz montiert, und ich frage mich bis heute, wieso es nicht zu einem Unfall gekommen ist. Nach Karajans Tod gab es nicht wenige Beifahrer, die von einem „mulmigen“ Gefühl sprachen, nachdem sie das Auto verlassen hatten.
Kurz und gut: Eine bessere Einführung als diese kann es für unser heutiges Stück gar nicht geben. Adams‘ rund fünfminütiges Werk hat viel dazu beigetragen, die internationale Beliebtheit seiner Musik zu sichern und zu demonstrieren, dass der Minimalismus in der Musik weit mehr zu bieten hat, als nervtötende Wiederholung.
Im folgenden Mitschnitt dirigiert Marin Alsop, seit vielen Jahren international erfolgreiche Dirigentin und ehemalige Schülerin Leonard Bernsteins, das BBC Symphony Orchestra – und hierfür besteht Anschnallpflicht!:
Herzliche Grüße aus Braunschweig
Matthias Wengler

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen