Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten-Folge 25

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

heute wird es südamerikanisch: Im Jahr 2004 riefen die Bamberger Symphoniker den Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb ins Leben, der erste Preisträger hieß Gustavo Dudamel. Seitdem hat der 1981 geborene venezolanische Senkrechtstarter der internationalen Musikszene eine Karriere hingelegt, die ihresgleichen sucht. Dank seines musikalischen Temperaments, seiner Sachkenntnis als Orchesterleiter und seines persönlichen Charmes erwarb sich Dudamel nicht nur in Windeseile den Ruf als einer der gefragtesten Dirigenten der jüngeren Generation, sondern gewann auch Größen wie Sir Simon Rattle, Daniel Barenboim oder Claudio Abbado für die Arbeit mit „seinem“ Orchester: dem Simón Bolívar Youth Orchestra of Venezuela. Mittlerweile ist Gustavo Dudamel seit 2009 Chefdirigent des Los Angeles Philharmonic und dirigiert regelmäßig als Gast u. a. die Wiener und die Berliner Philharmoniker.

Bei den Berliner Philharmobikern gastierte Dudamel erstmals 2008 – und dies gleich mit dem populären Waldbühnenkonzert, das jährlich zum Saisonende 20.000 Besucher in Berlins beliebteste Open-Air-Spielstätte lockt. Mit einer lateinamerikanischen Nacht legte er dem Berliner Tagesspiegel zufolge das „fetzigste Debüt aller Zeiten“ ab – davon können Sie sich im folgenden Musikstück überzeugen.

Mit einer Reihe von Danzónes erlebte der mexikanische Komponist Arturo Marquez (*1950) in den frühen 1990er Jahren seinen internationalen Durchbruch. Mit Abstand am bekanntesten wurde der Danzón No. 2 aus dem Jahr 1993. Dazu trug vor allem Gustavo Dudamel bei, der Márquez’ Komposition in das Repertoire des Simón-Bolívar-Jugendorchesters aufnahm und auf seinen Tourneen durch Europa und die USA immer wieder vortrug. Der „Danzón“ ist ein eleganter städtischer Salontanz, der sich im Kuba des 19. Jahrhunderts aus der französischen Contredanse entwickelte. Anfang des 20. Jahrhunderts gelangte er nach Mexiko, wo er in den 1940er Jahren seine Blütezeit erlebte. Vor allem in Veracruz wird der Danzón aber bis heute gepflegt, und Márquez lernte ihn auf mehreren Reisen in diesen ostmexikanischen Bundesstaat genauer kennen. Er studierte anhand von alten Aufnahmen die typischen Rhythmen, melodischen Gestalten und Formen des Tanzes und schrieb als Hommage an dieses populäre Genre seine eigenen kunstvoll instrumentierten Danzónes.

Hier also Gustavo Dudamel mit den Berliner Philharmonikern und dem Danzón No. 2 von Arturo Marquez:

https://www.youtube.com/watch?v=3W4XkLLjCas

Mittlerweile habe ich Gustavo Dudamel sehr oft in Konzerten erleben dürfen – ein besonderes Erlebnis wird für mich ein Konzert in Leipzig bleiben. Im Juli 2007 gastierte das Simón-Bolívar-Jugendorchester im Gewandhaus, das Konzert bildete den Abschluss einer Tagesfahrt, die ich für die Propsteikantorei Königslutter organisiert hatte. Auf dem Programm standen Leonard Bernsteins Sinfonische Tänze aus „West Side Story“ und Gustav Mahlers 5. Sinfonie – das Stück, mit dem Dudamel den Bamberger Dirigentenwettbewerb gewonnen hatte. Das Leipziger Publikum, das ich bis zu diesem Abend immer als eher zurückhaltend applausfreundlich erlebt hatte, war bei diesem Jugendorchester (kein Musiker war älter als 21 Jahre) wie ausgewechselt – wenige Sekunden nach dem Schlusston gab es bereits lautstarke Standing Ovations, die gut 15 Minuten andauerten. Zur Ehrenrettung der Leipziger sei gesagt, dass sie mittlerweile deutlich begeisterungsfähiger sind.

2008 gastierte dieses Orchester bei den Salzburger Festspielen. Mit einer Zugabe aus ihrem Konzert im Großen Festspielhaus (Malambo aus dem Ballett „Estancia“ des argentinischen Komponisten Alberto Ginastera) wünsche ich Ihnen heute einen besonders schwungvollen schönen Sonntag:

https://www.youtube.com/watch?v=BxWRuCWqab0

Herzliche Grüße aus Braunschweig

Matthias Wengler

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