Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten-Folge 23

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,

Millionen Menschen tun es immer wieder: Woche für Woche spielen sie Lotto, um am Samstagabend mehrheitlich festzustellen, dass das Glück nicht mit ihnen war. „6 aus 49“ klappt nur in den seltensten Fällen. Ich lade Sie heute ein, eine sichere Alternative mit Erfolgsgarantie auszuprobieren: Bei „5 aus 555“ sind ausschließlich Treffer dabei:

555 – so viele Sonaten hat Domenico Scarlatti (1685 – 1757) für das Cembalo komponiert, und mit diesen Sonaten ist er heute vor allem bekannt. Ungefähr 35 Stunden würde es dauern, wenn man sämtliche 555 Sonaten spielen würde. In fünfzehn Bänden ruhten die Handschriften hinter Schloss und Riegel in Venedig, bis der Cembalist Ralph Kirkpatrick es sich zur Aufgabe machte, sie zu sichten und vor allem zu sortieren. Im Jahr 1940 gab er einen kompetenten Katalog von Scarlattis Sonaten heraus. Auf diese Weise verewigte sich Kirkpatrick im Werk Scarlattis, denn vor jeder Sonate steht seither ein großes „K“ für Kirkpatrick gefolgt von einer Zahl.

Wer alle 555 Sonaten problemlos spielen kann, der beherrscht sämtliche technische Raffinessen des Klavierspielens: Läufe, Arpeggien vom tiefsten bis zum höchsten Ton, dann Terzen, Sexten, Oktaven, ferner Fingerwechsel, Triller und das Kreuzen der Hände.

Seit etwa 75 Jahren entdecken auch viele Pianisten Scarlattis Sonaten für ihr Repertoire – drei von Ihnen möchte ich Ihnen heute mit insgesamt fünf Sonaten vorstellen:
Martha Argerich, oftmals als „Argentinischer Wirbelsturm“ oder „Löwin am Klavier“ beschrieben, glänzt in er folgenden Konzertzugabe mit der Sonate d-moll K 141:

Martha Argerich machte durch einen publikumswirksamen Skandal 1980 einen Pianisten schlagartig weltberühmt. Nachdem die Jury des Warschauer Chopin-Wettbewerbs, der auch Martha Argerich angehörte, Ivo Pogorelich von der Finalrunde aufgrund seiner eigenwilligen Chopin-Interpretation ausschloss, verließ sie wütend die Jury und verkündete vor der Weltpresse: „Dieser Mann ist ein Genie.“ Die Folge: In kürzester Zeit begann eine Weltkarriere. Im folgenden Mitschnitt aus Japan spielt Ivo Pogorelich, der auch ein hervorragendes Scarlatti-Album aufgenommen hat, die Sonate d-moll K 1:
Und zum Schluss: Vladimir Horowitz. Der Pianist überraschte zu Beginn der Sechziger Jahre sein Publikum mit einer Scarlatti-LP – mit diesen Werken hatte seinerzeit niemand gerechnet. Seitdem spielte Horowitz immer wieder eine oder mehrere Scarlatti-Sonaten in seinen Konzerten, so auch im folgenden Mitschnitt (Sonaten A-Dur K 101, h-Moll K 87 und E-Dur K 135):
https://www.youtube.com/watch?v=cU4DcgnetGo

Ihnen allen viel Freude mit „5 aus 555“ – seien Sie herzlich gegrüßt aus Braunschweig.
Matthias Wengler

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