Ev. – luth. Propstei Königslutter

Musik in schwierigen Zeiten-Folge 21

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde der Kirchenmusik,
heute vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Welche Worte man auch immer wählt: Sie können niemals das Leid erfassen, das Menschen durch Menschen erfahren haben. Wenn wir für einen Moment Covid-19 aus unserem Alltag ausblenden, dürfen wir heute zunächst einmal dankbar sein, dass wir in Frieden leben dürfen. Und gleichzeitig tragen wir alle dafür Verantwortung, dass die Jahre von 1933 bis 1945 niemals in Vergessenheit geraten und sich niemals wiederholen dürfen.

„Gegen das Vergessen“ – so hieß vor einigen Jahren ein Konzertprogramm, das wir zum Volkstrauertag u. a. mit Mozarts Requiem im Kaiserdom veranstaltet haben. Gegen das Vergessen haben verschiedene Komponisten auch mit ihren Werken angeschrieben. Mit dieser Ausgabe möchte ich heute musikalisch einen Schwerpunkt auf eine Stadt setzen, die unter dem Zweiten Weltkrieg besonders zu leiden hatte: Dresden.

Kreuzkantor Rudolf Mauersberger, der sein Amt mehr als 40 Jahre ausgeübt hat, schrieb unter dem Eindruck der Zerstörung Dresdens durch die Bombennacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 eines seiner berühmtesten Chorwerke: Die Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“. Aus den Klagelieder Jeremias wählte Mauersberger die ausdrucksstärksten Sätze aus und vollendete das Werk am Karsamstag (31. März) 1945. Am 4. August 1945 wurde die Motette in der ersten Vesper des Dresdner Kreuzchores nach dem Krieg in der ausgebrannten Kreuzkirche uraufgeführt.

Ein Chor, den ich sehr schätze und der in den letzten Jahren auch in unserer Region öfters zu hören war, ist das Junge Vokalensemble Hannover. Mit seinem Leiter Klaus-Jürgen Etzold ist der Chor mit diesem Stück in der Dresdner Frauenkirche zu erleben:
Ein weiteres Werk, das mit Dresden in Verbindung steht, ist das achte Streichquartett von Dimitri Schostakowitsch. Als der Komponist 1960 in Dresden sah, welche Zerstörungen der Krieg angerichtet hatte, wollte er den „Opfern von Faschismus und Krieg“ ein Denkmal komponieren. Es wurde ein Denkmal für ihn selbst; sein 8. Streichquartett c-Moll op. 110 sollte Schostakowitschs persönlichstes, fast schon autobiographisches Zeugnis werden. Zahlreiche Zitate aus eigenen Werken sind in diesem Streichquartett enthalten – und immer wieder erklingen als Motiv die Initialen seines Namens: D-Es-C-H.
Rudolf Barshai, Leiter des Moskauer Kammerorchesters, hat dieses Quartett für Streichorchester bearbeitet – und in dieser Fassung haben wir das Werk 2011 in dem bereits erwähnten Konzert „Gegen das Vergessen“ aufführen dürfen. Sie können die Kammersinfonie op. 110 a im folgenden Link mit der Amsterdam Sinfonietta
erleben:

 

https://www.youtube.com/watch?v=RKfLYXWZTM4

Nach soviel schwerer Kost noch eine aktuelle Meldung aus Dresden: Vor ein paar Tagen erhielt ich eine Nachricht von einem alten Freund: Björn Kadenbach, Trompeter in der Dresdner Philharmonie, gehört zu den vielen Orchestermusikern, die sich zur Zeit in der musikalischen Zwangspause befinden. Dass trotzdem die Möglichkeit besteht, die Pause auch kreativ und mit Humor zu nutzen, zeigen die folgenden Links mit Carl Maria von Webers „Euryanthe“-Ouvertüre und der Reihe „Phil-zu-zweit“, die ich Ihnen sehr gerne empfehle:
Ein letzter Tipp für heute noch zum Abschluss: Unter der Leitung von Daniel Barenboim spielt die Staatskapelle Berlin heute Abend in der Staatsoper Unter den Linden ein Gedenkkonzert anlässlich des Endes des Zweiten Weltkrieges. Das Konzert wird live um 21:45 Uhr in 3sat übertragen und findet ohne Zuschauer statt. Aufgeführt werden Wolfgang Amadeus Mozarts „Kleine Nachtmusik“ von 1787 und Richard Wagners „Siegfried-Idyll“ von 1870. Beide Werke werden in erweiterter kammermusikalischer Besetzung gespielt, mit 14 beziehungsweise 13 Musikerinnen und Musikern. Das Gedenkkonzert soll zugleich der Auftakt einer Reihe von Konzert-Streams sein, die künftig regelmäßig freitags um 19 Uhr auf der Website der Staatsoper (www.staatsoper-berlin.de) zu sehen sind.

Herzliche Grüße aus Braunschweig
Matthias Wengler

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