Musik in schwierigen Zeiten – Folge 153

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Kirchenmusik,
„Mit Figaro ins Rokoko“ – so lautete das Motto des Neujahrskonzertes 2019 in der Stadtkirche Königslutter. Neben Konzertarien und Ouvertüren von Wolfgang Amadeus Mozart und Sergej Prokofjews Symphonie classique standen auch die Rokoko-Variationen op. 33 von Peter Tschaikowsky auf dem Programm.
Peter Tschaikowsky liebte Mozart und die Leichtigkeit des Rokokos. Es scheint, als blicke Tschaikowsky in diesem Werk wie durch ein Fernglas zurück in eine längst versunkene Welt, die er offenbar als heil und unbeschwert empfunden hat und die in extremem Gegensatz zur düsteren Atmosphäre der Fantasie „Francesca da Rimini“ steht, die er unmittelbar vor den Rokoko-Variationen komponierte – im Spätherbst 1876, in einer besonders sorgenvollen Lebensphase.
Mit der Sehnsucht nach einer anderen Gegenwart ist nicht das höfische Rokoko mit Perücke, Puder und Tanz gemeint – sondern eine bestimmte Klangwelt, die Tschaikowsky kurzerhand mit dem Begriff „Rokoko“ bezeichnet hat: Die Klangwelt des 18. Jahrhunderts – und vor allem die von Wolfgang Amadeus Mozart. *“Die Musik dieses sonnigen Genies rührt mich zu Tränen“*, schrieb Tschaikowsky einmal.
Das Thema der Rokoko-Variationen stammt nicht aus Mozarts Feder, es ist vielmehr eine stilistische Hommage. Das zunächst simpel anmutende Thema spickt Tschaikowsky in den anschließenden Variationen mit allerhand Virtuositäten für das Solo-Cello. Die Herausgabe des Werkes überließ er jenem Musiker, dem er es auch gewidmet hatte: seinem Freund Wilhelm Fitzenhagen, einem deutschen Cellisten und Professor am Moskauer Konservatorium. Dieser erstellte die heute gängige Fassung des Werks, die dieses „verkappte Cellokonzert“ noch effektvoller machte.
Ein Konzertmitschnitt aus Madrid erwartet Sie heute: Pablo Ferrandez spielte Tschaikowskys Rokoko-Variationen 2016 mit dem Orquesta Sinfónica Freixenet de la Escuela Reina Sofía unter der Leitung von Zubin Mehta:

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler