Musik in schwierigen Zeiten – Folge 152

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Kirchenmusik,
wie schön, wenn ein Musikstück von Beginn an so erfolgreich ist und der Originalcharakter auch in weiteren Bearbeitungen erhalten bleibt. Ein Beispiel hierfür sind die Fantasiestücke op. 73 von Robert Schumann – egal in welcher Besetzung sie erklingen: Schumanns großartige Musik bleibt immer erhalten!
Die Fantasiestücke entstanden 1849. Privat war es eine glückliche Zeit für die Schumanns: die Finanzlage war gut, die Gesundheit des Komponisten stabil – und Europa brodelte im Zeichen des Revolutionsjahres. Als die Maiaufstände kurz bevor standen, wohnte die Musikerfamilie in Dresden. Erst als die Umstände unerträglich wurden, zogen sie in die Sächsische Schweiz. Mitten im anarchischen Europa erlebte Robert Schumann eines seiner künstlerisch produktivsten Jahre.
Insgesamt vier Duokompositionen für diverse Blasinstrumente mit Klavierbeteiligung entstanden 1849. Dass Schumann seinen Reigen mit der Klarinette eröffnet, kommt nicht von ungefähr, brachte er doch diesem Instrument immer schon eine große Vorliebe entgegen. Auch in seinen vorher entstandenen Orchesterwerken wies er der Klarinette mehrfach eine auffallende Rolle zu. Die drei Fantasiestücke sind rein äußerlich dadurch verbunden, dass sie ohne Unterbrechung aufeinander folgen („attacca“). Darüber hinaus baut Schumann hier innere motivische Bezüge auf, die ebenfalls eine poetische Geschlossenheit erzeugen, indem jedes Stück für sich genommen auf einen thematischen Kern bezogen, darüber hinaus aber auch mit den anderen beiden verknüpft wird.
Schumanns Opus 73 verkaufte sich von Anfang an gut. Mittlerweile existieren zahlreiche Bearbeitungen – neben der Originalversion für Klarinette und Klavier möchte ich Ihnen noch zwei weitere vorstellen. Oft zu hören ist das Werk in der Besetzung Violoncello und Klavier, so wie hier mit Gautier Capucon und Martha Argerich beim Verbier Festival 2011:

Im Januar 2017 musizierten Peter Moore und und James Baillieu Schumanns Fantasiestücke in einem der schönsten Konzertsäle für Kammermusik weltweit: Hier ein Mitschnitt aus der Londoner Wigmore Hall in der Kombination Posaune und Klavier:

Und zum Schluss noch die Originalfassung für Klarinette und Klavier mit Martin Spangenberg und Hyun Jung Kim-Schweiker, aufgezeichnet 2014 beim Mai Klassik Kammermusikfestival im Energeticon in Alsdorf.

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Grüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler