Musik in schwierigen Zeiten – Folge 141

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Kirchenmusik,
„sie spielen Brahms um acht Uhr ahms“ – ein oft gehörter Kalauer passt ideal zu dieser Newsletter-Ausgabe, denn heute möchte ich Sie mit einem Frühwerk dieses Komponisten bekannt machen: Das Klaviertrio Nr. 1 H-Dur op. 8.
Klaviertrios gehören zu den großen Gattungen der klassischen Kammermusik, und so beschäftigte sich auch Johannes Brahms mit diesem Genre. Sein Klaviertrio Nr. 1 H-Dur op. 8, das er im Herbst und Winter 1853/54 im Alter von 20 Jahren komponierte, war sein erstes Kammermusikwerk. Die erste Aufführung fand im Haus von Robert Schumann in Düsseldorf statt. Am 30. September 1853 hatte sich der 20-jährige Brahms im Haus der Schumanns in Düsseldorf vorgestellt. Schumann war von dessen Musik überaus angetan und sprach von nun an nur noch in den höchsten Tönen vom jungen Brahms.
*“Dr. Schumann betreibt meine Sachen bei Breitkopf & Härtel so ernstlich und so dringend, dass mir schwindelig wird. Er meint, ich müsse vielleicht in sechs Tagen die ersten Werke hinschicken… Ich weiß mich gar nicht zu fassen.” *Ratlos reagierte der junge Brahms auf seine „Entdeckung” durch Robert Schumann im Herbst 1853. *“Das ist wieder einmal einer, der kommt wie eigens von Gott gesandt!” *notierte Clara Schumann in ihr Tagebuch, und ihr Mann Robert schrieb unter dem Eindruck der ersten Begegnung jenen Artikel „Neue Bahnen“, in dem er das junge Genie Brahms der Welt vorstellte. Der Ältere schilderte den Jüngeren bewundernd als *“ein junges Blut, an dessen Wiege Helden und Grazien Wache hielten. Er… kam von Hamburg, dort in dunkler Stille schaffend… Er trug, auch im Äußeren, alle Anzeichen an sich, die uns ankündigten: das ist ein Berufener.” *Auf solche Art annonciert, wurde Brahms als “Schumanns Messias” auf einen Schlag zum Begriff.
Brahms vollendete sein erstes Klaviertrio in der Urfassung im Januar 1854, drei Monate nach seiner ersten Begegnung mit Robert Schumann. Schumann war es, der den 20-jährigen zur Herausgabe seiner ersten Werke drängte. In späteren Jahren wurde Brahms seiner “geschwätzigen” Frühwerke rasch überdrüssig. Das Klaviertrio, das über eine Dreiviertelstunde dauerte, wurde von Brahms 1889 (über 30 Jahre später!) noch einmal so tiefgreifend überarbeitet, dass er an Clara Schumann schrieb: *“Ich habe mein H-Dur-Trio noch einmal geschrieben.“ *Die Art und Weise, in der der 53-jährige Brahms sein eigenes Frühwerk durch radikale Eingriffe veränderte, gehört zu den wenigen Fällen schrankenlos offener Selbstkritik eines großen Künstlers – und sie war erfolgreich: Die neue kürzere Version hat sich schnell durchgesetzt.
Ob um „acht Uhr ahms“, sofort, am Nachmittag oder an den kommenden Tagen – auch dieses Werk steht Ihnen jederzeit zur Verfügung. Zwei Aufführungen habe ich für Sie ausgewählt, zunächst ein Mitschnitt vom 1. August 2014: Joshua Bell, Steven Isserlis und Marc-André Hamelin musizierten Brahms‘ Opus 8 beim Verbier Musikfestival:

Und hier noch ein Mitschnitt aus dem Jahr 2016 mit Leonidas Kavakos, Gautier Capuçon und Nikolai Lugansky:

Ihnen allen einen schönen Tag mit herzlichen Urlaubsgrüßen aus Braunschweig
Matthias Wengler